Aus: Ausgabe vom 09.11.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Zölle zeigen erste Wirkung

Chinas Überschuss im Handel mit USA leicht zurückgegangen. Australien will Beijings Einfluss begrenzen

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Hängt im Hafen fest: Chinesische Containerschiffe werden seltener in Richtung USA aufbrechen

Chinas Exporte sind trotz der US-Strafzölle auf viele Waren im Oktober kräftig gestiegen. Die Ausfuhren nahmen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15,6 Prozent zu, wie die chinesischen Zollbehörden am Donnerstag mitteilten. Auch die Importe stiegen – um 21,4 Prozent. Der Außenhandelsüberschuss bei Geschäften mit den USA ging im Oktober zurück.

Die US-Strafzölle gelten seit September für praktisch die Hälfte aller chinesischen Waren, die in die Vereinigten Staaten verkauft werden. Ihr Wert beträgt 200 Milliarden Dollar. Bislang gelten Sätze von zehn Prozent, ab Januar sollen sie auf 25 Prozent steigen.

Trotz der stark gestiegenen Einfuhren nach China betrug der Außenhandelsüberschuss – also die Differenz von Exporten und Importen – insgesamt 34,01 Milliarden Dollar (29,7 Milliarden Euro). Im Geschäft mit den USA betrug der Überschuss 31,8 Milliarden Dollar. Im September hatte er sich noch auf mehr als 34 Milliarden Dollar belaufen.

Die Präsidenten Chinas, Xi Jinping, und der USA, Donald Trump, wollen am Rande des Gipfels der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G 20) am 30. November in Argentinien über den Zollkonflikt beraten. Das geplante Treffen sei für beide Seiten besonders wichtig, sagte der chinesische Außenminister Wang Yi am Donnerstag. China sei bereit, mit den USA zusammenzuarbeiten, um eine Lösung zu finden, die für beide Seiten von Vorteil sei, sagte zuvor ein anderer hochrangiger chinesischer Diplomat laut Reuters.

Gegenwind bekommt die Volksrepublik auch aus Australien. Mit einem Milliardenprogramm will Canberra der gestiegenen Konkurrenz durch China in der Pazifikregion entgegenwirken. Premierminister Scott Morrison kündigte am Donnerstag an, kleineren Pazifikstaaten bis zu zwei Milliarden australische Dollar (knapp 1,3 Milliarden Euro) Finanzhilfen für Infrastrukturprojekte zur Verfügung zu stellen. Zudem soll es nochmals umgerechnet 650 Millionen Euro geben, um Geschäfte der australischen Wirtschaft dort zu erleichtern.

Vor dem alljährlich stattfindenden Asien-Pazifik-Gipfel in der kommenden Woche machte Morrison deutlich, dass sein Land in der Region wieder eine größere Rolle spielen will. »Australien kann sich nicht darauf verlassen, dass sein Einfluss im Südwestpazifik immer so bleibt. Wir haben das leider schon zu oft getan.« Der Regierungschef fuhr fort: »Das ist unser Flecken Erde. Hier tragen wir besondere Verantwortung.« Das Geld soll unter anderem in Straßen-, Wasser- und Telekom-Projekte fließen.

Seit einigen Jahren ist China darum bemüht, seinen Einfluss auszuweiten – durchaus mit Erfolg. Der Gipfel der Staats- und Regierungschefs nächste Woche findet in Papua-Neuguinea statt, dem ärmsten Land der APEC (Asia-Pacific Economic Cooperation). Morrison kündigte zudem an, dass Australien wegen der chinesischen Konkurrenz fünf weitere diplomatische Vertretungen im Pazifikraum eröffnen werde. Zudem stelle es kleineren Pazifikstaaten Patrouillenboote zur Verfügung. (AFP/dpa/jW)


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