Aus: Ausgabe vom 08.11.2018, Seite 15 / Medien

Kleinanzeigen stabilisieren Axel Springer SE

Berliner Verlagskonzern stellt Neunmonatsergebnisse vor und baut Aufsichtsrat um

Von Dieter Schubert
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Verkauft an den (eigenen) Pensionsfonds: Axel-Springer-Hochhaus in Berlin

Deutschlands größter Zeitungsverlag bleibt im schwächelnden Mediengeschäft dank Kleinanzeigen im Vorwärtsgang. Die Axel Springer SE schreibt Gewinn und stellt zugleich die Weichen für neuen Aufsichtsrat. In den ersten neun Monaten des Jahres stieg der Konzernüberschuss um 51,4 Prozent auf 247,4 Millionen Euro, wie der Verlag am Mittwoch in Berlin mitteilte. Das klingt toll, ist aber zum Großteil sogenannten Sondereffekten zuzuschreiben: So verkaufte der Verlag Anteile an der Aufeminin-Gruppe und übertrug das Berliner Axel-Springer-Hochhaus an den »Axel-Springer-Pensionstreuhandverein«. Bereinigt wuchs der Konzernüberschuss deshalb um fünf Prozent auf 256,7 Millionen Euro.

Auch Kleinvieh macht Mist: Die alter Bauernweisheit gilt offenbar auch für Springer. Denn einen erheblichen Teil seines Umsatzes und des Gewinns realisieren die professionellen Meinungsmacher nicht mit Politik- oder Wirtschaftsnachrichten, sondern mit digitalen Kleinanzeigen, versteckt im Verlagsbereich »Classifieds Media«. Nach drei Quartalen steht da ein Umsatzanstieg von 19,4 Prozent auf 890,2 Millionen Euro in den Büchern. Selbst ohne Sondereffekte legte das Geschäft um 10,8 Prozent zu.

So kommt es offenbar zu dem Effekt, dass Springer mit Kleinanzeigen sein großes Rad der Meinungsbeeinflussung weiterdrehen kann. Denn dieser Bereich, also das klassische Mediengeschäft u. a. mit der Bild- und Welt-Gruppe, schrumpft. Trotz E-Paper und diverser anderer Digitalangebote sanken hier die Umsatzerlöse in den ersten neun Monaten von 1,095 Milliarden auf 1,090 Milliarden Euro.

Auch die Führungskontrolle wird revitalisiert. Die Amtszeit des aktuellen Aufsichtsrats des als Socíetas Europaea, also Europäische (Aktien-)Gesellschaft, firmierenden Großverlages endet turnusgemäß mit der nächsten ordentlichen Hauptversammlung am 17. April 2019. Dann scheiden die bisherigen Schwergewichte im Kontrollgremium, Giuseppe Vita und Lothar Lanz, aus. Nachrücken sollen dann nach dem Willen der Konzernmatriarchin Friede Springer ein Medienmanager der verbündeten »Konkurrenz« und ein Wirtschaftsprüfer. Beide Tätigkeitsprofile machen sich immer gut in so einem Klub.

Ralph Büchi kommt von dem Schweizer Großverlag Ringier (Blick), mit dem Springer seit einigen Jahren kooperiert. Er ist dort zweiter Mann im Management (COO) und soll den Vorsitz vom früheren Schering-Chef und Bankenkontrolleur Giuseppe Vita erben. Wirtschaftsprüfer Ulrich Plett, ehemals bei dem inzwischen zerschlagenen Prüfkonzern Arthur Anderson und beim Marktriesen Ernst & Young beschäftigt, ist seit 2015 selbständiger Wirtschaftsprüfer und Berater. Für die übrigen Positionen hat der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats, dem Vita und Friede Springer angehören, vorgeschlagen, dass die anderen derzeitigen Mitglieder erneut in das Kontrollgremium einziehen, Frau Springer, Mehrheitsaktionärin der SE, bleibt demnach stellvertretende Vorsitzende.


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