• Pol & Pott

Aus: Ausgabe vom 03.11.2018, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Designerkekse für den Advent

Von Ina Bösecke

Am Sonntag wird meine Oma 96 Jahre alt. Tochter, Enkel und Urenkel spielen bei ihr keine Rolle mehr. Sie lebt im Altersheim zusammen mit ihrer Mutter, die bereits vor Jahrzehnten gestorben ist. Wie das geht? Man muss schon dement sein, um das zu verstehen. Die Mutter meiner Oma war weit und breit gefürchtet als Oberschreckschraube. Besonders meine Oma hatte unter ihr zu leiden. Im Moment scheint sich die Frau aber gut zu benehmen. Sie hängt zum Beispiel Bilder auf oder legt meiner Oma eine warme Strumpfhose hin. Das Band zwischen Müttern und Töchtern ist also stärker noch als Marmor, Stein und Eisen und scheint sogar über den Tod hinaus zu halten. Zumindest, wenn man dement ist.

Der Film »Mütter und Töchter« (USA 2016) von Paul Duddridge und Nigel ­Levy widmet sich dieser starken und, wie man sich vielleicht denken kann, potentiell konfliktreichen Beziehung. Ausgehend von einer Fotografin, die ungewollt schwanger wird und nun ihren fotografischen Blick auf Mütter und Töchter richtet, werden verschiedene Beziehungen dieser Art vorgestellt. Wir sehen traurige Mütter und wütende Töchter. Sie missverstehen sich viel. Aber es existiert ein starkes Band, weshalb man sich eben doch liebt und verzeiht. Diesen Film kann man sich schon mal für die Adventszeit vormerken, in der man unter Umständen offener ist für Gefühlsduseleien. Passend dazu hat der Freund einer dieser Töchter auch die Rezeptidee für uns. Er trägt sich mit dem Gedanken, ein kleines Geschäft zu eröffnen, um Designerkekse zu verkaufen. Designerkekse? Wir streichen Designer und setzen Advent vor Kekse. Auch wenn der erst in vier Wochen beginnt.

Designerkekse für den Advent (etwa 40 Stück): 400 Gramm Weizenmehl in eine Rührschüssel geben. 120 Gramm Puderzucker, ein Päckchen Bourbon-Vanille-Zucker, eine Prise Salz, ein Eigelb und 250 Gramm Butter hinzufügen, mit Handrührgerät mit Knethaken zunächst kurz auf niedrigster, dann auf höchster Stufe gut durcharbeiten. Anschließend auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche kurz zu einem Teig verkneten. Teig abgedeckt ein bis zwei Stunden in den Kühlschrank legen. Backofen auf 180 Grad vorheizen. Teig portionsweise auf der leicht bemehlten Arbeitsfläche drei Millimeter dick ausrollen. Mit einer Ausstechform (zum Beispiel »Schmetterling«) ausstechen. Schmetterlinge auf Backbleche (mit Backpapier belegt) legen. Backbleche nacheinander in den vorgeheizten Backofen schieben, zehn Minuten backen. Erkalten lassen. Für die Füllung 125 Gramm Trüffelpralinen halbieren, 50 Gramm Vollmilchkuvertüre fein hacken. 50 Milliliter Milch in einen Topf geben, aufkochen. Topf von der Kochstelle nehmen. Pralinen, Kuvertüre­stücke in die heiße Milch geben, unter Rühren in der Milch schmelzen. Trüffelmilch erkalten lassen. Sobald die Trüffelmilch anfängt, fest zu werden, die Hälfte der Schmetterlinge auf der Rückseite damit bestreichen. Die restlichen Schmetterlinge daraufsetzen, leicht andrücken. Für den Guss 180 Gramm weiße Kuvertüre fein hacken, in einem Topf im Wasserbad bei schwacher Hitze unter Rühren schmelzen. Die gefüllten Schmetterlinge auf der Oberseite mit der Kuvertüre bestreichen, mit Zuckerherzen, -kristallen und -perlen bestreuen.


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