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23.10.2018, 10:49:35 / Inland

AfD-Wahlkämpfer droht mit Schusswaffe

Eskalation rechter Gewalt vor Hessen-Wahl: Prominenter AfD-Anhänger bedroht Gegner mit geladener Pistole

Von Peter Schaber
Die einen demonstrieren friedlich, andere bedrohen politische Ge
Die einen demonstrieren friedlich, andere bedrohen politische Gegner: Den Wahlkämpfern der AfD passt ein buntes Hessen nicht

Im Vorfeld der hessischen Landtagswahl kam es in Frankfurt am Main zu einer drastischen Eskalation rechter Gewalt. Ein Wahlkämpfer der rechten Alternative für Deutschland (AfD) zog während einer Auseinandersetzung mit einem Anwohner eine scharfe Schusswaffe, lud die Pistole durch und drohte seinem Gegner, ihn zu erschießen. Augenzeugenberichte und Videos, die dieser Zeitung exklusiv vorliegen, dokumentieren den Vorfall.

»Es war Sonntagnachmittag, gegen 17 Uhr«, schilderte Güven O. am Montag gegenüber junge Welt. »Da kamen sie in unsere Siedlung zum Flyerverteilen, eine klassische Frankfurter Arbeitersiedlung mit vielen Migranten.« Für O. ein Affront. Man wolle hier keine Nazis, sagt der Anwohner. »Ihr bringt Gift in diese Siedlung mit eurem Scheiß, habe ich gesagt«, so Güven O. Es kommt zum Streit. Während des Wortgefechts habe einer der AfD-Wahlkämpfer eine scharfe Waffe aus seiner Tasche geholt, sie durchgeladen und sie O. an den Kopf gehalten. »Ich werde dich erschießen, du bist der Teufel, hat er gesagt«, berichtet Güven O. Ein die Attacke teilweise dokumentierendes Handyvideo liegt jW vor.

Besonders brisant: Den Angreifer identifiziert Güven O. als den Vater der AfD-Direktkandidatin für den Wahlkreis 39 (Frankfurt VI), Mary Khan. Aber nicht nur den »Islamkritiker« Zahid Khan will O. erkannt haben, auch der Potsdamer Oberbürgermeisterkandidat der AfD, Dennis Hohloch, sei dazu gekommen, als die Polizei eintraf.

Die Pressestelle der Frankfurter Polizei bestätigte am Dienstag Vormittag gegenüber jW den Vorfall. »Der Sachverhalt ist uns bekannt«, so Sprecher André Sturmeit. Ermittlungen seien aufgenommen, die Schusswaffe beschlagnahmt worden. Zu Details wolle man sich derzeit nicht äußern. Allerdings scheint zunächst nicht der Schusswaffeneinsatz durch einen bekannten Rechtsradikalen im Zentrum des Interesses der Behörden zu stehen. Es werde wegen »wechselseitiger Körperverletzung« ermittelt, so Sturmreit. Und man prüfe, ob gegen Güven O. wegen »Sachbeschädigung« an Flyern und Equipment der »Alternative für Deutschland« vorgegangen werde. Warum zudem keine Pressemeldung zu dem Fall, der gerade vor der Wahl zweifellos von öffentlichem Interesse sein dürfte, erging, bleibt unklar. Man prüfe von »Fall zu Fall«, es werde »individuell entschieden«, so Sturmeit.

Das Verhalten der Behörden entspricht den Schilderungen von Güven O. Die eintreffende Polizei sei zwar »schockiert« über die Schusswaffe gewesen. Man habe aber dennoch ihn wie einen Straftäter behandelt, nicht den bewaffneten Angreifer, sagt Güven O: »Ich war derjenige, der die ganze Zeit angeschrieen wurde.«

Update: In einer früheren Version des Beitrags wurde Zahid Khan als AfD-Mitglied bezeichnet.


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