Aus: Ausgabe vom 23.10.2018, Seite 16 / Sport

Nicht schön, aber reizvoll

Von Gabriele Damtew
Borussia_Moenchengla_51946037.jpg
Aus der »League of Bald-headed Men«: André Schubert

Schön ist die Aufgabe nicht, aber groß. André Schubert, ehemaliger Coach von Borussia Mönchengladbach, würde sagen »reizvoll«. Es geht um nicht weniger, als den Tabellenletzten Eintracht Braunschweig aus dem Keller der 3. Liga zu holen. Mit dem Bundesligisten Gladbach war Schubert nach überraschendem Rücktritt vom damaligen Cheftrainer Lucien Favre in der Saison 2015/16 genau dieses Kunststück gelungen; am Ende stand man auf Platz 4 und spielte sogar Champions League, wenn auch erfolglos. In der darauffolgenden Spielzeit lief es dagegen miserabel, seine »Beurlaubung« vor Weihnachten war die Folge. Seitdem nahm sich der gebürtige Kasseler ein sogenanntes Sabbatical, was sich mit bezahlter meditativer Arbeitslosigkeit übersetzen lässt. Anfang dieses Jahres äußerte sich Schubert auf der Sportwebseite Spox bezüglich eines neuen Jobs wie folgt: »Ich muss das Gefühl haben, etwas entwickeln zu können. Beide Seiten müssen sich zu 100 Prozent vertrauen.« Ach je. Klingt wie ein unromantisches Eheversprechen oder eben nach einem Fußballvertrag, Scheidung inklusive.

Das anstehende Auswärtsspiel bei den Löwen in München war nicht unbedingt für einen Aufwärtstrend der Braunschweiger Löwen prädestiniert. Die Münchner spielten zuletzt immer unberechenbar, ob für sich selbst oder den Gegner. Eine Halbzeit hielt die Defensive der Eintracht. Nach der Pause vollendete Efkan Bekiroglu einen lässigen Hackentrick von Ro­muald Lacazette (echt: diese Franzosen!) vor der Box zur Führung. Kurz vor Schluss ergatterte Sascha Mölders einen vom Gegner weitergeleiteten Ball, den er von der Torlinie in den Rückraum spielte und Benjamin Kindsvater damit perfekt bediente. Es wird reizvoll bleiben für Herrn Schubert.

Gute Nachrichten dagegen für meine lieben Nachbarn: Kaiserslautern hat gegen den hochgewetteten Aufsteiger aus Uerdingen (Großkreutz hin oder her) mit 2:0 gewonnen. Schon lange hat das Potsdamer Geoforschungszentrum keine solch außergewöhnlichen seismographischen Daten vom Betzenberg messen können.

Toralarm auch in Karlsruhe. Aber anders als gedacht. Wehen Wiesbaden war schon in der letzten Saison Geheimfavorit, verpasste allerdings knapp die Relegation. Wie das offensivste Team der Liga dem eigentlichen Favoriten fünf Treffer in den Kasten haute, war sehenswert. Die zwei Tore für den Gastgeber spielten keine Rolle mehr.

Schönes Spiel im Süd-Nord-Ost-Derby zwischen Zwickau und Rostock. Ronny König erzielte endlich seine ersten zwei Tore. Am Ende 2:2. Bester auf Rostocks Seite war Marcel Hilßner, sowohl als Vorbereiter als auch als Vollender.

Nachdem auch verlegte Ansetzungen inzwischen nachgeholt sind, sollte die Tabelle nach zwölf absolvierten Spieltagen eine gewisse Aussagekraft haben. Dabei verblüfft in dieser Saison die Leistungsdichte bei doch ganz unterschiedlich großen Etats der Klubs. Zwischen dem Tabellenführer VfL Osnabrück und dem Vorletzten aus Cottbus liegen gerade einmal elf Punkte. Nur Braunschweig ist abgesackt.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Sport
  • Britische Dominanz bei den großen Rundfahrten und aufstrebende junge Fahrer aus Deutschland – Ein Rückblick auf die Straßenradsaison 2018
    Tobias Kraus