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Aus: Ausgabe vom 22.10.2018, Seite 11 / Feuilleton
Novemberrevolution

Üble Rolle

Orte der Revolution 1918/19 in Berlin (6/12): BND
Von Dr. Seltsam

Als am 9. November die roten Matrosen und bewaffnete Arbeiter durch Berlin zogen, um die Soldaten in den Kasernen für die Revolution zu gewinnen, hatten sie viel Erfolg. Aber einige Offiziere wollten das alte Regime verteidigen und schossen auf die Demonstranten. Es waren die ersten Opfer der Konterrevolution, sie starben auf dem Hof der »Maikäferkaserne« des Garde-Füsilier-Regiments in der oberen Chausseestraße. Die Maikäfer-Regimenter hatten diesen Spitznamen, weil sie immer als erste im Jahr ins Manöver zogen, sie spielten auch später unter den Nazis eine üble Rolle. Am Ort jener Militärkaserne wurde ab 2006 die Zentrale des Bundesnachrichtendienstes errichtet. Man kann befürchten, dass sich der böse Geist des Ortes wieder durchsetzen wird, bei aller Schlamperei und Korruption beim Bau.

Die ersten Opfer des 9. November 1918 in Berlin waren junge Arbeiter und Mitglieder der USPD: Erich Habersaath, Franz Schwengler und Richard Glathe. Eine Gedenktafel für sie habe ich nicht gefunden. Aber in der Nähe ist die Habersaathstraße, welche diesen Sommer durch den Kampf der Bewohner des »Papageienhauses« Nr. 40–48 gegen ihre Verdrängung bekannt wurde. Natürlich wollen die Hausbesitzer lieber hochbezahlte BND-Beamte als Mieter. Man muss den jetzigen Bewohner viel Erfolg wünschen. Habersaath verpflichtet zum Widerstand!

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