Aus: Ausgabe vom 13.10.2018, Seite 10 / Feuilleton

Einem Bewahrer

Er ist, was die Erinnerung an Kunst aus der DDR angeht, das Gedächtnis der jungen Welt. In schöner Regelmäßigkeit schreibt Peter Michel über das Schicksal der Kunst und ihrer Urheber nach der »Zeitenwende« von 1989. Über die Großen wie Bernhard Heisig, Willi Sitte, Werner Tübke und Walter Womacka, aber auch über in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannte Künstler wie die Berlinerin Heidrun Hegewald oder den Rostocker Bildhauer Jo Jastram. Das Erbe ist dem aus einer Freyburger Handwerkerfamilie stammenden Kunstwissenschaftler, der vor der »Wende« lange Zeit Redaktionsleiter der Zeitschrift Bildende Kunst und später Sekretär des Zentralvorstandes des Verbandes der Bildenden Künstler der DDR war, von jeher ein Anliegen gewesen. Der Umgang des neuen Deutschlands mit der Kunst der kleineren, östlichen Landeshälfte, das Abhängen und Abreißen, das gehässige Kommentieren und Verfälschen hat ihn tief verstört. Seitdem schreibt Michel gegen den »Kulturvandalismus« an, zeitweise als Chefredakteur der Zeitschrift Icarus der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde, in der er sich engagiert. Zuletzt meinte Michel vor dem Hintergrund neuerer Ausstellungen, einen Wandel im zeitgenössischen Verhältnis gegenüber der Kunst aus der DDR erkannt zu haben. Es wäre zu wünschen, dass er mit seiner Einschätzung recht hat. Es wäre die Frucht seiner Arbeit. Redaktion und Verlag gratulieren ganz herzlich zum 80. Geburtstag an diesem Sonntag. (row)

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