Aus: Ausgabe vom 12.10.2018, Seite 16 / Sport

Halbwelt

Von Gerrit Hoekman
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Zwielichtiger Blick: Brügge-Coach Ivan Leko

Ivan Leko, Meistertrainer des belgischen Erstligisten Club Brügge, musste die Nacht zum Donnerstag im Gefängnis verbringen. Wie die flämische Tageszeitung De Morgen berichtete, soll der Kroate in einen Skandal um Korruption, Geldwäsche und gekaufte Spiele verstrickt sein. Club Brügge spielt in der Champions League unter anderem gegen Borussia Dortmund.

Die großangelegte Razzia richtete sich gegen Spielerberater, Schiedsrichter und ehemalige Vereinsmanager (jW vom 11.10.2018). Die Polizei durchsuchte die Büros von zehn der 16 Vereine der ersten Liga, darunter Standard Lüttich, RSC Anderlecht und AA Gent.

Zeitgleich drang die örtliche Polizei in Zypern, Serbien, Frankreich, Luxemburg, Montenegro und Mazedonien in 13 Gebäude ein, so die Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung vom Mittwoch. Die Beamten beschlagnahmten Dokumente und Bankauszüge, aber auch hohe Summen Bargeld. Alleine in Serbien 800.000 Euro, wie Het Nieuwsblad berichtet.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen offenbar die beiden einflussreichsten Spielervermittler in Belgien, Mogi Bayat und Dejan Veljkovic, die sich seit Mittwoch ebenfalls in U-Haft befinden. Der im Iran geborene Bayat soll der Hauptstrippenzieher sein. Monatelang hörte die Polizei sein Telefon ab. Er soll nicht nur Geld am Fiskus vorbeigeschleust, sondern auch Spiele manipuliert haben.

Gegen Bayat läuft bereits eine Klage des VC Westerlo. Der kleine Klub aus der Nähe von Antwerpen musste vor zwei Jahren am letzten Spieltag absteigen, weil Konkurrent Mouscron überraschend in Kortrijk gewann. In den Mannschaften von Mouscron und Kortrijk standen zahlreiche Spieler, die Bayat als Berater unter Vertrag hat.

Sein Beraterkollege Dejan Veljkovic soll in der letzten Saison auf ähnliche Weise versucht haben, den KV Mechelen in der ersten Liga zu halten, bei dem er einige seiner Spieler untergebracht hatte. Doch der Plan ging schief: Zwar gewann Mechelen seine letzte Partie, weil aber auch die Konkurrenz aus Eupen siegreich war, musste Mechelen trotzdem absteigen.

Bei den Polizeirecherchen kam heraus, dass Veljkovic Beziehungen zu den belgischen FIFA-Schiedsrichtern Sébastien Delferière und Bart Vertenten unterhält. Regelmäßig ging man in schicken Restaurants gemeinsam essen. Die Referees wurden ebenfalls zum Verhör abgeholt. »Sie gingen nicht freiwillig als Zeugen mit«, betonte die Staatsanwaltschaft.


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