Aus: Ausgabe vom 12.10.2018, Seite 8 / Ansichten

Industriekapitän des Tages: Herbert Diess

Von Kristian Stemmler
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Klassisch kapitalistisch: Herbert Diess baut Überkapazitäten am liebsten bei der Belegschaft ab (Wolfsburg, 13.4.2018)

Da fehlen selbst einem an den ständigen Unverschämtheiten der deutschen Wirtschaftskapitäne gestählten Satiriker die Worte. Wie soll man das nennen, was VW-Chef Herbert Diess am Mittwoch gegenüber der Süddeutschen Zeitung abgesondert hat? Chuzpe, Dreistigkeit hoch drei, Scheißegal-Mentalität? Vernebelt die Profitgier der Couponschneider und ihre eigene den Managern auch noch den letzten Rest von Verstand? Das muss man sich mal überlegen!

Denkanstoß für den Diesel-Diess: In der Nacht vom Sonntag auf Montag hat der Weltklimarat einen alarmierenden Sonderbericht veröffentlicht. Er mahnt eindringlich, dass es beim Klima eigentlich schon fünf nach zwölf ist. In der Nacht zum Mittwoch einigten sich die EU-Umweltminister darauf, den Grenzwert für die Kohlendioxidemissionen von Autos zwischen 2021 und 2030 noch einmal um 35 Prozent abzusenken. Und was macht der Boss der mafiösen Vereinigung aus Wolfsburg, des größten Automobilherstellers der Erde? Er stellt sich hin und droht nach Art des Paten im berühmtesten Mafiafilm unverhohlen der EU: Wenn ihr diese scharfen CO2-Grenzwerte für Autos beschließt, dann schmeiß ich Leute raus, bis der Arzt kommt. Natürlich sagt man das anders. »Die Transformation in der Geschwindigkeit und mit den Auswirkungen ist kaum zu managen«, dekretiert der Diplomingenieur der Süddeutschen. Dadurch müsse in gut zehn Jahren etwa ein Viertel der Jobs in den VW-Werken wegfallen. Das entspreche etwa 100.000 Stellen.

Für den Profit des Konzerns wäre es klüger, wenn der frühere Chef der Entwicklungsabteilung sich heute schon um die Erweiterung der Produktpalette kümmern würde. Demnächst wird sicher ein Amphibienfahrzeug – sagen wir mal ein VW-U-Boot – der Verkaufshit sein, zumindest in der norddeutschen Tiefebene.


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