Aus: Ausgabe vom 12.10.2018, Seite 1 / Kapital & Arbeit

Kurskorrektur für Kapitalisten

Börsennotierungen weltweit eingebrochen. US-Präsident schimpft auf Notenbank

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Am Mittwoch brach an der New Yorker Börse Panik aus

Nach dem zeitweiligen Einbruch der Kurse an der New Yorker Börse am Mittwoch abend sackten am Donnerstag auch die Aktienwerte in Japan und China ab. Der Nikkei-Index in Tokio lag gegen Mittag rund vier Prozent im Minus. Auch in Hongkong gab der Hang-Seng-Index zunächst um fast vier Prozent nach. In China fiel der Shanghai-Composite-Index am Vormittag um 4,34 Prozent, während der Shenzhen-Component-Index sogar um 5,19 Prozent nachgab.

Am Vorabend hatten die drei wichtigsten Indizes an den US-Börsen mehr als drei Prozent im Minus geschlossen. Die 30 im Dow-Jones-Index gehandelten Unternehmen gaben mit 3,15 Prozent so stark nach wie seit Anfang Februar nicht mehr. Der Dax sackte am Donnerstag zeitweilig um 1,7 Prozent ab. Es war der niedrigste Stand seit März 2017.

US-Präsident Donald Trump machte die Notenbank Fed für den Kurssturz an der New Yorker Börse verantwortlich: »Ich denke, die Fed ist verrückt geworden«, sagte Trump vor einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania. Sie mache einen Fehler, da sie die Zinsen so stark erhöhe. Die jüngste Talfahrt an den Börsen sei eine »Kurskorrektur«, die seit langem erwartet worden sei. Über die Steuerreform für US-Unternehmen, die den Börsenboom befeuert hatten, verlor Trump kein Wort. US-Finanzminister Steven Mnuchin sah es gelassen: »Ich denke nicht, dass es Nachrichten waren, die aus der Fed kamen, die es nicht schon vorher gab.« Märkte gingen »hoch und Märkte gehen runter«, sagte er.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, erklärte während des Jahrestreffens von IWF und Weltbank in Indonesien, Zentralbanken müssten ihre Zinsbeschlüsse entsprechend ökonomischen Indikatoren treffen. Wenn das Wachstum stark und die Arbeitslosigkeit extrem niedrig sei, müssten sie »die Entscheidungen treffen, die sie treffen«. Die US-Währungshüter haben 2018 den Leitzins schon dreimal angehoben – zuletzt auf das aktuelle Niveau von 2,00 bis 2,25 Prozent. Bis Ende 2019 haben sie vier weitere Erhöhungen in Aussicht gestellt. (dpa/Reuters/AFP/jW)


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