Aus: Ausgabe vom 09.10.2018, Seite 1 / Ausland

Fünf vor zwölf beim Klimaschutz

IPCC legt Sonderbericht vor: Globale Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzen

Von Wolfgang Pomrehn
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Hoesung Lee (Mitte), Vorsitzender des Weltklimarats, und weitere Mitglieder am Montag in Incheon

Am Montag wurde im südkoreanischen Incheon ein Sonderbericht des UN-Klimarates – Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, Zwischenstaatlicher Ausschuss für Fragen des Klimawandels) – veröffentlicht. Das Gremium fasst regelmäßig den aktuellen Stand der Wissenschaft in Übersichtsberichten zusammen. Die gestern präsentierten Ergebnisse wurden wie immer von den Regierungen der 195 IPCC-Mitgliedsländer bestätigt.

Um rund ein Grad Celsius hat sich das globale Klima bereits im Vergleich zur vorindustriellen Zeit durch menschliche Aktivitäten erwärmt. Den weiteren Temperaturanstieg künftig auf 1,5 Grad zu beschränken hätte zahlreiche Vorteile gegenüber dem bisher definierten Ziel. In der Pariser Klimaübereinkunft war 2015 lediglich vereinbart worden, »deutlich unter zwei Grad« zu bleiben. Die niedrigere Zielmarke würde unter anderem für viele Länder das Risiko schwerer Dürren und verheerender Niederschläge mindern. Auch würde der Meeresspiegel voraussichtlich bis zum Ende des Jahrhunderts um zehn Zentimeter weniger ansteigen. Zehn Millionen Menschen könnten so vor Sturmfluten und dem Verlust ihrer Dörfer und Städte bewahrt werden. »Die EU wird daran arbeiten, diese Herausforderung anzugehen, und erwartet, dass andere dies ebenfalls tun«, erklärten die Kommissare Miguel Arias Cañete und Carlos Moedas am Montag laut dpa in Brüssel. »Alle Beteiligten müssen die Bemühungen gegenüber den Zusagen im Pariser Abkommen erhöhen.«

Da in den letzten fast 30 Jahren, seitdem die internationale Gemeinschaft über Klimaschutz verhandelt, viel zuwenig geschehen ist, muss es jetzt sehr schnell gehen: Die weltweiten Treibhausgasemissionen müssen bis 2030 fast halbiert und bis 2050 auf Null reduziert sein. Deutschland müsste dafür unter anderem ohne jede Verzögerung mit dem Ausstieg aus der Kohle beginnen, den Abbau der Braunkohle im nächsten Jahrzehnt einstellen, sofort die Bremsen vom Ausbau der erneuerbaren Energieträger nehmen, den öffentlichen Verkehrssektor massiv ausbauen und den verbleibenden Straßenverkehr elektrifizieren.


Debatte

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  • Beitrag von Dieter R. aus N. ( 9. Oktober 2018 um 07:58 Uhr)

    Es es wird leider nicht schnell gehen mit dem Klimaschutz, denn dem steht gnadenlos die weltweit herrschende Wachstumsideologie entgegen, die Profit garantiert und an der mittlerweile alle Lebensbereiche fundamental ausgerichtet sind. Der Kapitalismus wird sich nicht selbst abschaffen, sondern die Natur bis zum bitteren Ende als vermeintlich unendlich verfügbare Ressource ausbeuten. Außerdem steht unerbittlich die Frage im Raum, wie viele Menschen verträgt dieser kleine Planet noch? Ohne wirksame globale Geburtenregulierung wird die »Zeitbombe« Bevölkerungswachstum absehbar noch weitaus größeren Umweltalarm auslösen. Wer aber soll diese Problematik anpacken, wenn selbst im linken Lager offensichtlich kein Problembewusstsein dafür vorhanden ist?

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Prof. Gregor Putensen, Greifswald: Zynischer Trost Das alarmierende Verdikt des Weltklimarates lässt nichts an Deutlichkeit vermissen: Wenn die politisch und wirtschaftlich Mächtigen der Welt weiterhin die Menschheit dazu zwingen, sie ihren Herrschaf...
  • Frank Kirsch: Egozentrisches Weltbild Deutschland verursacht weltweit gesehen ca. 2,4 Prozent des Kohlendioxidausstoßes (2011 lag er bei 802,8 Millionen Tonnen/Stunde; im Jahre 2015 bei 798 Mio. t/h). Selbst wenn Deutschland von heute auf...
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