Aus: Ausgabe vom 24.09.2018, Seite 16 / Sport

Blutgrätsche. Die Wahrheit über den 4. Spieltag

Von Klaus Bittermann
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Dietmar Hopp beim miesen 1:1 gegen den BVB

Die mäßige Vorstellung des BVB beim Champions-League-­Auftakt gegen Brügge wurde durch einen glücklichen Abpraller für die Dortmunder entschieden, erinnerte ansonsten aber sehr an die unseligen Spiele gegen Nikosia in der letzten Saison. Die waren immerhin der Grund für den radikalen Umbau der Mannschaft. In Hoffenheim knüpften die Dortmunder am Samstag nahtlos an ihre unterirdische Leistung an. Schon werden die ersten Zweifel geäußert, ob Favre der richtige Trainer sei, denn so einfallslos spielen zu lassen, sollte auch anderen gelingen.

Favre setzte Götze auf die Tribüne, weil der gegen Brügge eher unauffällig geblieben war. Aber dieser Logik zufolge hätte Favre die gesamte Mannschaft auf die Tribüne schicken müssen. Favre setzt auf Dahoud, seinen Zögling aus Gladbacher Zeiten. Dessen Pässe aber lassen Präzision vermissen, in manchen Situationen ist er einfach zu langsam, und statt das Spiel zu öffnen und zu beschleunigen, schleppt er den Ball lieber selber nach vorne.

Bei fast allen Dortmundern könnte man sich ähnlich fragen, warum sie auf dem Platz standen. Hoffenheim war nach einem kurzen BVB-Feuerwerk in den ersten Minuten in allen Belangen überlegen, und daran änderte sich auch nach der Pause nichts, wo man vielleicht die Spielweise hätte neu justieren können. Der BVB hatte Glück, da sind sich die Experten alle einig, Hoffenheim spielte nicht nur überlegen, sondern hatte auch etliche Großchancen: Bittencourt tauchte allein vor Bürki auf, Belfodil vergab in der Nachspielzeit zwei Meter vor dem Tor.

Der BVB hatte es nicht verdient, einen Punkt mitzunehmen, weil er einfach die schlechtere Mannschaft war, aber gleichzeitig wurde er massiv vom Schiedsrichter benachteiligt. Pulisic wurde in der Anfangsphase klar gefoult, und zwar auf der Strafraumlinie. Man weiß nicht, warum es den Videobeweis gibt, wenn man da einfach weiterspielen lässt. Die Wiederholung der Szene räumte jeden Zweifel an dem Foul aus. Und schließlich wurde Diallo vom Platz gestellt, weil er als letzter Mann angeblich Kramaric zu Fall gebracht hatte: Nach näherer Sichtung der Szene ein Witz, es handelte sich um einen Zweikampf, in dem Diallo den Ball zum Torwart köpfte, bevor sich Kramaric zu Boden fallen ließ. Eine »harte Entscheidung«, hieß es, aber es war eine falsche. Glück hatte Hoffenheim auch beim 1:0, das nur zustande kam, weil der Brasilianer Joelinton beim Schuss ausrutschte und dadurch dem Ball die richtige Richtung gab.

Auch außerhalb des Spielfelds endete die Partie mit einem miesen Remis. Das Eigentor von Hopp, der als zartfühlender Mäzen seine guten Taten nicht genügend gewürdigt sah und, beleidigt durch Schmähgesänge, gegen 30 Dortmunder Anhänger Strafanzeige gestellt hatte, glichen die Südtribünen-Fans am Samstag mit einem Banner aus, das zum Konterfei des Klägers in einer Zielscheibe grüßte: »Hasta la vista, Hopp«. Das war ebenso einfalls- wie geistlos, zeigte aber auch, auf welchem Niveau im Fußball Auseinandersetzungen geführt werden. Und es passte zum trüben Erscheinungsbild, das die Dortmunder zur Zeit abgeben, die in dieser Form gegen die meisten Bundesligateams keine Chance haben dürften.


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