Aus: Ausgabe vom 21.09.2018, Seite 15 / Feminismus

Selbstbestimmung als rotes Tuch

Deutsche Bischofskonferenz unterstützt Demo von Abtreibungsgegnern in Berlin

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Nicht jeder, der ein Kleid trägt, kann Frauenprobleme nachvollziehen: Kardinal Reinhard Marx (l.), und der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bei einem Gottesdienst im März

Mit Unterstützung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) soll am Samstag in Berlin wieder gegen das Selbstbestimmungsrecht der Frau marschiert werden. Mehr als ein Dutzend Organisationen von Abtreibungsgegnern haben sich im »Bundesverband Lebensrecht e. V.« zusammengeschlossen, um gegen Schwangerschaftsabbrüche zu Felde zu ziehen.

Auf der Internetseite des Vereins werden Sonderbusse und Fahrgemeinschaften angeboten, um bundesweit Teilnehmer zum 14. »Marsch für das Leben« zu mobilisieren. »Tausende« werden es nach Einschätzung des christlichen Nachrichtenportals idea.de vom Donnerstag.

Das offizielle Portal der katholischen Kirche in Deutschland, katholisch.de, verkündete bereits am Mittwoch, die Deutsche Bischofskonferenz habe sich hinter den Marsch gestellt. Ihr Vorsitzender, Kardinal Reinhard Marx, dankte den Teilnehmern in einem Grußwort für ihr »nicht nachlassendes Engagement«. Hier treffen sich die Interessen der katholischen Würdenträger mit denen von AfD-Politikern wie Beatrix von Storch, die mehrfach an dem Marsch teilnahm, während sich Marx von rassistischen Positionen dieser Partei distanziert.

Nach ihrer Auftaktkundgebung um 13.00 Uhr vor dem Reichstag wollen die Abtreibungsgegner am Samstag rund fünf Kilometer durch Berlin laufen, im Anschluss ist ein ökumenischer Gottesdienst geplant.

Zu einer Gegendemonstration lädt das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung ein. Die Organisatorinnen fordern die Streichung des »Abtreibungsparagraphen 218« und des Paragraphen 219a, der »Werbung« für Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellt. Wenige Personen aus dem christlich-fundamentalistischen Spektrum seien für Hunderte von Anzeigen gegen Ärztinnen und Ärzte verantwortlich, die öffentlich darüber informieren, dass sie solche Eingriffe durchführen, heißt es im Gegenaufruf. »Jährlich sterben weltweit ungewollt Schwangere zu Zehntausenden an den Folgen unprofessionell durchgeführter Schwangerschaftsabbrüche. Jährlich werden rund 100.000 ungewollt Schwangere, die in Deutschland einen Abbruch durchführen lassen, durch die deutsche Gesetzgebung kriminalisiert und somit stigmatisiert.« Die Gegendemonstration soll bereits um 12 Uhr an der Ecke Wilmhelmstraße/Unter den Linden beginnen. (jW)


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