Aus: Ausgabe vom 20.09.2018, Seite 8 / Ansichten

Klare Ansage des Tages: #EleNão

Von Peter Steiniger
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Beängstigende Vorstellung: Der Trump-Jünger Jair Bolsonaro könnte zu Brasiliens Präsidenten gewählt werden

Der Mann will Brasiliens nächster Präsident werden, doch er hat ein Problem mit Frauen, der Mehrheit des Wahlvolkes. Genauer gesagt, haben diese eines mit ihm. »Ele não!« (»Ihn nicht!«) sagen sie und: »Ele nunca!«, »Ele jamais!«, niemals, auf keinen Fall – selbst wenn er der letzte seiner Art wäre. Nur mit ganz spitzen Fingern fassen sie ihn an. Es sind Millionen, die bei Twitter, Facebook und Co. mit solchen kurzen Hashtags – die ohne Namensnennung auskommen – virtuell aufstehen und ihr klares Nein zu diesem Kandidaten sagen. Auch Männer unterstützen die »Vereinigten Frauen gegen Bolsonaro«. Mit einem Stich beförderte diesen ein geistig Verwirrter vor wenigen Tagen ins Krankenhaus. In Umfragen legte er daraufhin noch zu, ist nach dem Verbot von Lulas Antritt Spitze. Es gilt als sicher, dass am 7. Oktober und 28. Oktober mit der Wahl eines neuen Staatsoberhaupts zugleich ein Plebiszit für oder gegen die Barbarei abgehalten wird.

Seine frauenfeindlichen, rassistischen und homophoben Äußerungen sind Legion. Jair Bolsonaro predigt Hass und Gewalt, ist ein waschechter Faschist. Wie einst Pinochet möchte er der Demokratie eine blutige »Badekur« verpassen. Als Vize hat er sich einen gesucht, der gern im Sandkasten spielt. Reservegeneral Hamilton Mourão meint, dass dort, wo zu Hause nur Mütter und Omas walten, kleine Banditen heranwachsen. Der Schuss ging nach hinten los. Nach dem Spruch bekommt der Kerl aus Wahlkampfgründen eine Aufsichtsperson zur Seite gestellt.

Kristina Hinz, die an Rios Uni zu Geschlechterbeziehungen forscht, ging der Frage nach, was viele Männer – sie stellen drei Viertel der oft jungen Bolsonaro-Fans – dazu treibt, einen Brutalo mit Dino-Denke wählen zu wollen. Sie sieht in ihm einen »Messias für Möchtegern-Machos«, die mit neuen Rollen nicht klarkommen. Angst vor Frauenpower? Zum Glück ist sie berechtigt.


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