Aus: Ausgabe vom 18.09.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

Aufgeräumt mit Mythen

Von wegen ohne Geld vom Staat durch die Finanzkrise gekommen: Dirk Laabs klopft der Deutschen Bank auf die Finger

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War sich seiner Sache sicher: Josef Ackermann wollte die Deutsche Bank zum »Global Player« aufblasen

Dirk Laabs widmet sich den heißen Themen. Große Beachtung brachten ihm 2016 seine Recherchen mit Stefan Aust zur Reportage »Der NSU-Komplex«. Er war beteiligt an der Ausarbeitung der Dokumentation »Goldrausch – Die Geschichte der Treuhand«, in der die Betrügereien bei der Privatisierung ostdeutscher Unternehmen dargestellt werden. Bereits 2012 thematisierte er den »Fall Deutsche Bank – Abstieg eines Geldhauses«.

In seinem am Montag erschienenen Buch »Bad Bank. Aufstieg und Fall der Deutschen Bank« und in seinem Dokumentarfilm »Geheimakte Finanzkrise« räumt er mit dem vom früheren Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann gehegten Mythos auf, das Geldhaus habe in der Krise auf Finanzhilfen des Staates verzichtet. Ackermann sagte im März 2009 bei einem öffentlichen Auftritt: »Hätten wir in den vergangenen Jahren nicht durchschnittlich 25 Prozent Eigenkapitalrendite erreicht, müssten wir jetzt, wie andere auch, dem Steuerzahler auf der Tasche liegen.« Laabs sagte gegenüber jW: »Das war eine dreiste Lüge. Es ist noch immer atemberaubend, wie er damit bis heute durchgekommen ist.« Denn nur drei Tage zuvor hatte sich sein Institut »noch einmal drei Milliarden Dollar« von der US-Notenbank geliehen. »Damit waren es insgesamt allein 76,882 Milliarden Dollar an kurzfristigen Krediten, die man sich bei der Fed besorgt hatte. Das behielt Ackermann natürlich für sich. Statt dessen zeichnete er wieder das Bild einer Bank, der niemand etwas kann.

Sie habe in Russland und in den USA Geld gekriegt. Von der EZB wurden im großen Umfang Finanzhilfen bereitgestellt. Indirekt habe die Deutsche Bank außerdem vom Bankenrettungsschirm Soffin profitiert, da sie nur über ihn überhaupt noch an Kunden kam.

Auch der Aufstieg Donald Trumps zum US-Präsidenten sei ohne die Deutsche Bank kaum denkbar, erinnert Laabs. »Seine Firmen waren bekanntlich Anfang der 90er bankrott. Keine Bank an der Wall Street wollte mehr mit ihm Geschäfte machen, weil sie durch Kredite, die sie an Trump vergeben hatten, Geld verloren hatten«, sagte Laabs zu jW. Die Banker hatten sich im Zuge ihrer Kampagne, die Nummer eins der Welt werden zu wollen, gedacht: »Wir kommen in New York nur in den Markt rein, wenn wir großes Risiko gehen und auch mit verkrachten Existenzen zusammenarbeiten.« (sz)


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