Aus: Ausgabe vom 15.09.2018, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage

Der Wille zu verändern

UZ-Pressefest: Die DKP hat es erneut geschafft, das größte Debatten- und Kulturforum aller Linken dieses Landes auf die Beine zu stellen

Von Arnold Schölzel
junge Welt und Melodie & Rhythmus waren deutlich sichtbar auf dem Leninplatz präsent.
Kollegen der jungen Welt und viele Unterstützer werkelten fleißig am Aufbau des Veranstaltungszeltes
Das Highlight am ­Samstag abend – die Dortmund-Premiere des Theaterstücks »­Rosa – Trotz alledem« von Anja Panse
Auch außerhalb des jW-Zelts war viel Raum für Diskussionen
Für Nachfragen aus dem Publikum war immer Zeit. Hier bei der Vorstellung des Buches von Moshe Zuckermann »Der allgegenwärtige Antisemit«. Auf dem Podium v. l. n. r.: Schauspieler Rolf Becker, M&R-Chefredakteurin Susann Witt-Stahl und jW-Chefredakteur Stefan Huth
Internationalistisch: Gelebte Völkerverständigung beim größten linken Volksfest in Deutschland – politisch wie kulinarisch
Künstler für eine Ästhetik wider den Zeitgeist: Nirit Sommerfeld & ­Orchester Shlomo Geistreich (­Andi Arnold, r. )
Kämpferische Stimmung vor der Hauptbühne des UZ-Pressefestes
Für eine »Kultur des Mitgefühls«: Liedermacher Konstantin Wecker auf der Hauptbühne des UZ-Pressefestes
Es gab jede Menge Anwärter für den vierten Klassiker

Die Tage in Dortmund waren heiter und entspannt. Das Wetter spielte mit, Besucher kamen in Scharen, die Veranstaltungszelte waren oft brechend voll, die Themen der Vorträge, Diskussionen, die künstlerischen Darbietungen trafen offensichtlich einen Nerv – auch vieler junger Leute. Was die zahlenmäßig kleine Deutsche Kommunistische Partei beim Pressefest ihrer Wochenzeitung Unsere Zeit am vergangenen Wochenende auf die Beine stellte, das war erneut das größte Debatten- und Kulturforum aller Linken dieses Landes. Das ist erstaunlich, nötigt Respekt ab und macht Hoffnung: So schwach, wie oft behauptet, scheinen sie nicht zu sein.

Niemand neigte auf den Podien zu Euphorie oder Überheblichkeit, aber Stolz war schon zu verspüren – etwa über die Erfolge in den Auseinandersetzungen um mehr Personal in Krankenhäusern. Da berichteten die Kolleginnen und Kollegen von der Saar, aus Düsseldorf und Essen über das, was erreicht wurde – und was nicht. Da war die eindrucksvolle Schilderung aus Hamburg, wie mit unerwartet breiter Unterstützung aus der Bevölkerung im März innerhalb von drei Wochen knapp 30.000 Unterschriften für einen einen Volksentscheid zum Pflegenotstand gesammelt werden konnten. Wer Probleme aufgreift, die zahlreichen Menschen unter den Nägeln brennen, darf mit Resonanz rechnen. Ähnliches gilt für den Beitrag der DKP zur Initiative »Abrüsten statt aufrüsten«. Nein, es waren am Ende nicht die angestrebten 30.000 Unterschriften, aber die 26.572, die am vergangenen Sonnabend übergeben werden konnten, sind beachtlich. Das Hauptthema unserer Zeit, die Kriegsverhinderung, wurde mit der Aktion unter viele Leute gebracht. Der DKP-Vorsitzende Patrik Köbele fasste die Gegenposition zu Horst Seehofers Behauptung, Migration sei die »Mutter aller Probleme«, so zusammen: »Krieg ist die Mutter der Flucht – die NATO der Vater«.

Ein Wort zum jW-Auftritt. Das Programm im Veranstaltungszelt unserer Tageszeitung war so vollgepackt wie noch nie, und es gab Bedenken, das könne zuviel werden. Das Gegenteil war der Fall. Wer erlebt hat, wie viele Menschen wegen Überfüllung bei mehreren Podiumsdiskussionen draußen bleiben mussten, aber sich die Übertragung per Lautsprecher anhörten, wer ähnliches überall auf dem Gelände erlebte, der weiß nun: Es gibt ein enormes Bedürfnis nach gegenseitiger und nach Selbstverständigung. Und auf den Podien waren klare Worte zu hören: Der Mut, die Dinge beim Namen zu nennen, greift um sich. Und der Wille zu verändern.

»Um uns selber müssen wir uns selber kümmern«, schrieb Bertolt Brecht einst der jungen Generation der DDR ins Stammbuch. In den Tagen von Dortmund war zu lernen: Das sehen viele heute so und holten sich Argumente und Kraft. Daher: Dank an alle, die vor und hinter den Kulissen schufteten, damit das Fest ein solcher Erfolg wurde.


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