Aus: Ausgabe vom 14.09.2018, Seite 16 / Sport

Akt der Solidarität

Von Markus Bernhardt
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»Dem Schiedsrichter blieb nichts übrig, als die Partie für beendet zu erklären«

Regelmäßig kommt es bei Fußballspielen zu rassistischen Ausfällen und Fangesängen, die für deren Verursacher nicht selten folgenlos bleiben. Anders war es im Falle des baden-württembergischen Kreisliga-A-Spiels zwischen dem FC Weizen und dem SC Lauchringen am vergangenen Sonnabend.

Nachdem der aus Ghana stammende Kebba Mamadou vom FC Lauchringen von einem Fan der Gegner rassistisch beleidigt worden war, verließen alle Lauchringer Spieler aus Solidarität mit ihm den Platz. Dem Schiedsrichter blieb nichts übrig, als die Partie für beendet zu erklären. Medienberichten zufolge soll Mamadou »Hey du Schwarzer, hör auf!« zugerufen worden sein. Lauchringens Vereinsvorsitzender Thomas Kummer berichtete gegenüber dem SWR von der Äußerung »Warum trägt ein Schwarzer bei euch ein weißes Trikot?« Ob dies die einzigen Ausfälle waren, ist noch unklar. Da Mamadou völlig aufgelöst in Tränen ausgebrochen war und sich nicht mehr beruhigte, sahen seine Vereinskollegen keine andere Möglichkeit, als das Spiel abzubrechen.

Verständnis dafür fanden sie auch bei der gegnerischen Mannschaft. »Hiermit wollen wir nochmals unterstreichen, dass wir Rassismus auf und neben dem Platz in keiner Weise dulden und tolerieren«, hieß es in einer vom Vorstand des FC Weizen 1924 e. V. am Sonntag veröffentlichten Stellungnahme.

Nachdem bundesweit und auch in internationalen Medien über diesen seltenen Akt der Solidarität berichtet worden war, veröffentlichte am Dienstag auch der SC Lauchringen ein Statement. »Sich in dieser Form hinter einen Mannschaftskollegen zu stellen braucht viel Mut und ein hohes Maß an Zivilcourage. Aber wie soll man auch ein Fußballspiel zu Ende spielen, wenn ein Mannschaftskollege und Freund weinend den Platz verlässt!?« hieß es darin. Es sei völlig irrelevant, wie der eine oder andere die Äußerungen der Zuschauer auffasst. »Entscheidend ist für uns, was sie in Kebba ausgelöst haben«, so der Verein weiter, der klarstellte, dass die Aktion nicht gegen den gegnerischen Verein gerichtet gewesen sei. Spieler und Trainer des FC Weizen hätten sich vielmehr »vorbildlich verhalten«.

»Uns ist selbstverständlich auch bewusst, dass den Verein, die Mannschaft mit Trainer und die Vorstandschaft absolut keine Schuld trifft, wenn von Zuschauern unbedachte Äußerungen in Richtung der Spieler gemacht werden«, unterstrich der SC Lauchringen. Zuschauern, die zu rassistischen Ausfällen neigen, könnten die Solidarität der Fußballer und die darauf folgenden klaren Stellungnahmen der beiden Klubs eine Warnung sein.

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