Aus: Ausgabe vom 14.09.2018, Seite 16 / Sport

Über der Brust

Der Clapton CFC ist ein Fußballverein von Fans für Fans. Bekannt wurde der Zwölftligist aber für sein Auswärtstrikot

Von Jens Walter
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Das Muster wurde von einem Vereinsmitglied entworfen, das sich mit Bildbearbeitungsprogrammen auskennt

Auf den ersten Blick ähnelt das Muster auf dem Trikot fast dem eines Norwegerpullovers. Oben kleine Sternchen auf rotem Grund, die aussehen wie rieselnder Schnee. Über der Brust Rauten, die von vertikalen, dünnen Streifen durchzogen sind. Aber die Farben stimmen nicht – das Rot oben würde noch zum Norweger passen, aber dann über der Brust gelb, und die untere Hälfte des Trikots ist violett.

Es ist das Auswärtstrikot des erst im Juni gegründeten englischen Fußballzwölftligisten Clapton Community FC. Am Samstag wird die Mannschaft es zum ersten Mal in einem Pflichtspiel tragen, überhaupt ist es das erste Pflichtspiel des Vereins – aber das Trikot sorgt seit August für Aufregung: Denn die Farben sind jene der Flagge der Zweiten Spanischen Republik. Geehrt werden sollen so nicht nur ihre Ideale, sondern auch der Kampf der Internationalen Brigaden im Spanischen Krieg gegen die Frankofaschisten – den Rücken ziert der Schriftzug »No Pasaran«.

Der Clapton CFC ist gemeinschaftlich von unten organisierte Fankultur, und er versteht sich als »antirassistisch, antisexistisch, pro Arbeiterklasse«. Gegründet nach einem langen Streit der Clapton Ultras mit dem Vereinsvorstand des Clapton FC, »geführt für die Fans, von den Fans«, wie einige der Mitglieder in einem Beitrag in der britischen Tageszeitung The Guardian Anfang September schrieben. Jedes Mitglied hat, unabhängig vom gezahlten Beitrag, eine Stimme, in kleinen Ausschüssen wird über alles gemeinsam entschieden. So auch über das Auswärtstrikot.

Von einem Mitglied, das sich hobbymäßig mit Bildbearbeitungsprogrammen auskennt, wurde das Muster entworfen, und zwar in Rücksprache mit dem »International Brigade Memorial Trust« in Großbritannien. Diesem kommt nun auch ein Teil der Einnahmen aus dem Trikotverkauf zu. Der Hersteller ist ein kleines italienisches Non-profit-Unternehmen namens »Rage Sport«, das vor allem antifaschistische Amateurklubs ausstattet.

Nachdem im August im Internet Bilder von einem Spiel geteilt wurden, sind bereits mehr als 5.000 Bestellungen für die Spielbekleidung eingegangen, vor allem aus Spanien. Die große Aufmerksamkeit überraschte nicht zuletzt die Zwölftligisten selbst. Sie führen sie darauf zurück, dass die Frage nach Demokratie und der Kampf gegen Faschismus, wofür die Zweite Spanische Republik und die Internationalen Brigaden stünden, gegenwärtig an Bedeutung gewonnen habe.

Sie wissen aber auch, dass ihr Verein mit seiner politischen Ausrichtung und seiner Organisationsstruktur in Zeiten des kommerzialisierten Fußballs einfach gut rüberkommt.

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