Aus: Ausgabe vom 13.09.2018, Seite 11 / Feuilleton

Frühstücksei-Gedanken

Von Wiglaf Droste

Man soll kein Radio einschalten, ohne zu wissen, was man tut. »Hey, sind wir gut drauf, das wird ein ganz toller Tag heute«-Terror, was wissen die über meinen Tag, was geht er sie an? Dass »toll« nicht großartig bedeutet, sondern irrsinnig, wissen sie nicht, wollen und müssen sie auch nicht wissen, Hauptsache laber, laber, laber, in sich selbst verschwindend, wie nie gesagt, aber eben doch weggesprochen, sich versendet habend zu niemandes Nutzen. Brauche ich einen Animateur oder eine Animateurin, die »Wo wird heute geblitzt?« und »und jetzt die neusten Promi-News« aufsagen können, in einer Sprache, die leer ist und dennoch Gift.

Würfe ich mein Frühstücksei an einen dieser blitzblank leergefegten Radioten- und Radiotinnenköpfe, handelte es sich dabei nicht um Körperverletzung, allenfalls noch um Sachbeschädigung (Reinigungskosten). Aber dann wäre mein Frühstücksei perdü; welche Verschwendung! Es gibt doch weit bessre Verwendung!

Radiostecker raus, zack! Frühstücksei rein, erst in die Butterpfanne, dann in mich, sonnengelb auf weiß, wie von Ernst Kahl gemalt, Salz, schwarzer, grüner und roter Pfeffer, wohldosiert hineingekrümelt, aufs Brot gehoben und dann sei, o Ei, verschlungen, verdrückt und mit Wonne weggeprepelt bis zum letzten Happs!

In den Ohren nur das Gackern der Hennen im Garten der Nachbarin. Die Frühstücksei-Produktion läuft, im VEB Hühnerstall fährt meine Oma Motorrad und wird nicht geblitzt. Soweit die Meldungen.

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