Aus: Ausgabe vom 12.09.2018, Seite 16 / Sport

Die Pékerman-Boys übernehmen

Von André Dahlmeyer
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Prägt die Post-Sampaoli-Ära selbst noch im Ruhestand: Trainerlegende José Pékerman

In Argentinien hat die Post-Sampaoli-Ära begonnen. Anfang August bestimmte die AFA, der Balltretverband der Gauchesken, Lionel Sebastián »Serrucho« (Säge) Scaloni zum Interimstrainer der »Albiceleste« und Pablo César »Payito« (Clown) Aimar zu seinem Assistenten. Scaloni war zuvor der Assistent Jorge Sampaolis beim FC Sevilla und gehörte zum Trainingsstab beim misslungenen WM-Abenteuer in Russland. Aimar betreut seit kurzem erfolgreich die Sub-17 der Silberländer. Da nach dem Rücktritt von Sebastián Beccacece, dem Trainer der Sub-20 und Assistenten Sampaolis, die wichtigste Juniorenauswahl des Landes plötzlich trainerlos war, wurde sie Scaloni und Aimar übergeben, denn es stand das wichtige Juniorenturnier L’Alcudia in Valencia an. Die beiden Neuen bestanden die Feuertaufe, Argentinien gewann das Finale gegen Russland mit 2:1. Anschließend beschloss die AFA, es bis Ende des Jahres mit den beiden auch bei der Herrennationalmannschaft zu versuchen, denn es stehen insgesamt sechs Freundschaftsspiele auf dem Programm.

Der 40jährige Scaloni stammt aus Pujato in der Provinz Santa Fe, wo er bei den Newell’s Old Boys debütierte. Der offensive rechte Außenverteidiger spielte für Deportivo La Coruña zu dessen erfolgreichster Zeit: eine Meisterschaft, zwei Vizemeisterschaften, zweimal Dritter. Eine Copa del Rey. Zwei spanische Supercopas. Zweimal Viertelfinalist der Champions League, einmal erreichte der Klub sogar die Semifinals. Meistens war Scaloni, der auf 41 Champions-League-Einsätze kam, der Kapitän. 1997 wurde er in Malaysia U-20-Weltmeister, 2006 nahm in José Pékerman mit zur WM in Deutschland.

Lionel Messi bemerkte 2002, dass Pablo Aimar sein großes Vorbild sei. Der heute 38jährige wechselte nach fünf Meisterschaften und einer südamerikanischen Supercopa mit River Plate im Januar 2001 zum FC Valencia. Bei River hatte der Spielmacher zunächst mit Javier Saviola, später im Tandem mit Ariel Ortega brilliert. Zweimal stand er deshalb in der »Idealelf« des Subkontinents. Den FC Valencia führte Aimar ins Champions-League-Finale 2001 und zur ersten spanischen Meisterschaft seit 31 Jahren (2002). Zwei Saisons später wurden Meisterschaft, UEFA-Cup und europäischer Supercup gewonnen. Leider warfen Verletzungen und Krankheiten den überaus begabten Kicker immer wieder zurück. Nach einigen Jahren in Portugal (Benfica) ließ er seine Karriere schließlich in Malaysia beim Johor Darul Ta’zim FC ausklingen. Gemeinsam mit Scaloni hatte Aimar 1997 den U-20-Titel gewonnen. »Payito« nahm an den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 teil und wurde 2007 Vize-Südamerikameister in Venezuela.

Ergänzt wird das Duo durch den 40jährigen Walter Adrián Samuel – noch so ein U-20-Weltmeister von 1997. Drei »Pékerman-Boys«! Der Innenverteidiger debütierte wie Scaloni bei Newell’s, wurde mit den Boca Juniors zweimal Meister und gewann die Copa Libertadores 2000, wechselte zur Roma und wurde dort auf Anhieb Meister (der dritte Scudetto der Vereinsgeschichte). Nach einem durchwachsenen Jahr bei Real Madrid als Nachfolger von Fernando Hierro landete Samuel schließlich bei Inter Mailand, wo er mit dem Brasilianer Lúcio die Innenverteidigung bildete und den Spitznamen »Il Muro« (die Mauer) erhielt. Es regnete Titel: dreimal Coppa Italia, drei Supercups, fünf Scudettos, einen Champions-League-Titel, einmal Klub-WM. Anschließend kickte er noch zwei Spielzeiten beim FC Basel, wurde zweimal Meister und assistierte in der Folge als Trainer zunächst bei Inter, dann beim FC Lugano.

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