Aus: Ausgabe vom 11.09.2018, Seite 1 / Inland

Politisch verordnete Lohndrückerei

Mehr als eine Million Leiharbeiter in der Bundesrepublik. Seit 2007 Anstieg um 43 Prozent

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Leiharbeit soll Betrieben Flexibilität geben und Langzeitarbeitslosen angeblich die Chance, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. 40 Prozent landen nach Leiharbeitsverhältnis erneut dort.

Die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Ende Dezember 2017 waren es etwas mehr als eine Million, wie aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, über die das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Montag berichtete.

Seit 2007 sei dies ein Anstieg um 43 Prozent. Damals habe die Zahl der Leiharbeiter noch bei 721.345 gelegen, Ende 2017 erreichte sie demnach 1.021.589. Damit sei ein neuer Höchststand bei dieser Form der Beschäftigung erreicht worden. Der Anteil an der Gesamtbeschäftigung lag demnach bei 2,8 Prozent. In der Metallverarbeitung oder im Lager- und Postbereich sei der Anteil der Leiharbeiter mit 14,9 Prozent beziehungsweise zwölf Prozent deutlich höher.

Laut Regierungsantwort hatten knapp 40 Prozent derer, die im zweiten Halbjahr 2017 ein Beschäftigungsverhältnis in der Leiharbeit beendeten, 90 Tage danach noch keinen neuen Job. Rund 60 Prozent fanden demnach in diesem Zeitraum eine neue Beschäftigung – rund 40 Prozent von ihnen jedoch ein weiteres Mal in der Leiharbeit. Linken-Fraktionsvize Susanne Ferschl sagte dem RND, diese Form der Arbeit biete keine Zukunftsperspektive. »Leiharbeiter sind Beschäftigte zweiter Klasse und zu Recht kann von moderner Sklaverei gesprochen werden«, kritisierte sie. »Wenn zwei Menschen im gleichen Betrieb dasselbe tun und der eine 1.300 Euro weniger bekommt, dann ist das politisch verordnete Lohndrückerei.« Der Einsatz von Leiharbeitern führe zur Spaltung von Belegschaften und sei »eine offene Drohung gegenüber Stammbelegschaften, ihre Lohnforderungen gering zu halten«.

2017 betrug der mittlere Bruttolohn von Vollzeitleiharbeitern 1.868 Euro monatlich, der von allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 3.209 Euro. Die neuen gesetzlichen Regelungen zur gleichen Bezahlung sowie zur Überlassungshöchstdauer könnten der Bundesregierung zufolge noch nicht bewertet werden, weil etwa letztere erst von Anfang Oktober an praktisch greife. (AFP/dpa/jW)


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