• Pol & Pott

Aus: Ausgabe vom 08.09.2018, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Rührei mit buntem Gemüse

Von Ina Bösecke

Frances’ (Greta Gerwig) Gesicht sieht alt aus, sie wirkt aber nicht so erwachsen wie andere 27jährige. Diese vernichtende Beschreibung erhält die Hauptfigur in Noah Baumbachs Film »Frances Ha« (USA 2012) von einer anderen 27jährigen Frau, die tatsächlich noch wie ein junges Mädchen aussieht. Es ist das einzige Mal, dass die wortgewandte Frances nichts zu entgegnen vermag, die Worte erschüttern sie bis ins Mark. Sie führt eigentlich ein wunderbar unentschlossenes Leben zwischen Tanzausbildung und Freizeitvergnügen. Sie liebt ihre Freundin Sophie (Mickey Sumner), mit der sie zusammen wohnt, kocht, säuft und die Zukunft bespricht. Die wird glorreich sein, so der feste Glaube der beiden Freundinnen, die bisher ernsthafte Beziehungen mit Männern vermieden hatten, um immer füreinander dazusein. Aber plötzlich ändert sich alles.

Es fängt damit an, dass Sophie den Mietvertrag nicht verlängert, um in eine coolere Wohnung zu ziehen, die sich Frances aber nicht mehr leisten kann. Es geht damit weiter, dass Sophie einen Typen kennenlernt, den sie ernsthaft liebt und den sie heiraten wird. Und es endet damit, dass Frances alle neuen Dinge über ihre Freundin von anderen Personen erfährt, nicht von ihr selber. Schlag auf Schlag kommt ihr das luftig leichte Leben abhanden. Die Chefin der Tanzcompanie bietet ihr einen Job in ihrem Büro an – als Sekretärin. Das teure Zimmer in der WG mit den smarten Künstlern ist nicht mehr bezahlbar. Im Studentenwohnheim, in das sie vorübergehend einzieht, wird sie natürlich mitleidig angeschaut. Wahrscheinlich kann man eher mit 50 Jahren wieder in ein Studentenwohnheim ziehen als mit 27. Denn das ist das Alter, in dem man etwas reißen muss. Oder müsste.

Baumbach und Gerwig, die an dem Drehbuch mitgeschrieben hat, haben einen ganz tollen Film über die tollen, tollsten und nicht so tollen Momente im Leben von Mitzwanzigern gemacht. In dieser Zeit ist Essen ganz klar Nebensache. »Ich wollte einen Pfannkuchen machen, und nun ist es Rührei geworden«, sagt Frances einmal zu Sophie. Ein anderes Mal freuen sie sich riesig über Rührei mit Bagel.

Rührei mit buntem Gemüse: Vier Eier in einer Schüssel mit einer Gabel aufschlagen und mit zwei EL Milch oder Mineralwasser (mit Kohlensäure) verquirlen. Eine Schalotte schälen und in feine Streifen schneiden. 50 g Zucchini putzen, waschen und in kleine Würfel schneiden. 50 g rote Paprikaschote entkernen, waschen und ebenfalls in kleine Würfel schneiden. Sechs Kirschtomaten waschen und je nach Größe halbieren oder vierteln. Ein EL Öl in einer Pfanne erhitzen und das Gemüse darin kurz andünsten. Die Eiermasse darübergießen und ca. fünf Minuten dünsten. Sobald die Eiermasse am Pfannenboden zu stocken beginnt, die Hitze herunterschalten und mit einem Holzlöffel den Pfannenboden regelmäßig abstreifen, damit die Eimasse nicht anbrennt. Zwei Zweige Rosmarin waschen und trockentupfen, die Nadeln abzupfen und feinhacken. Das Rührei mit Salz und Pfeffer und Rosmarin würzen und auf Teller setzen.


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