Aus: Ausgabe vom 05.09.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

»Ein sportliches Wochenendprogramm«

Kleine Partei, großes Fest. Ein Gespräch mit Lars Mörking

Von Markus Bernhardt
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Viel los: Aufnahme vom UZ-Pressefest 2016

Von Freitag bis Sonntag findet im Revierpark Wischlingen in Dortmund das diesjährige Pressefest der von der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) herausgegebenen Wochenzeitung Unsere Zeit statt. Wie schafft es eine Partei, die aktuell nur über knapp 3.000 Mitglieder verfügt, ein Fest dieser Größe auf die Beine zu stellen?

Das geht nur, weil wir über 200 Helferinnen und Helfer haben, die sich für den Aufbau Urlaub genommen haben und seit Anfang der Woche im Revierpark Wischlingen arbeiten. Aber es wundert einen schon, wie das gehen kann, zumal das UZ-Pressefest ja ein nichtkommerzielles und selbstorganisiertes Fest ist. Ich finde, es zeigt, wozu Kommunistinnen und Kommunisten in der Lage sind. Mein Eindruck ist, dass dieses Land, die Linken in diesem Land und die DKP dieses Fest brauchen. Wir erwarten auch zur 20. Auflage des UZ-Pressefestes wieder Zehntausende Besucherinnen und sind darauf vorbereitet. Wie groß die Anziehungskraft unseres Festes ist, zeigt das Beispiel eines jungen Genossen aus Osnabrück, der am Freitag nach Dortmund fährt, und am Samstag an der Demo gegen das neue niedersächsische Polizeigesetz in Hannover teilnehmen will. Anschließend will er dann zurück auf das Pressefest kommen. Das ist doch ein sportliches Wochenendprogramm.

Die DKP hatte sich zum Ziel gesetzt, bis zum Pressefest 30.000 Unterschriften für den Aufruf »Abrüsten statt Aufrüsten« zu sammeln. Wurde dieses Ziel erreicht?

Noch nicht, aber wir werden die 30.000er-Marke knacken. Wir liegen jetzt deutlich über 25.000 Unterschriften. Das finde ich ein ordentliches Zeichen gegen die Rüstungspläne und den damit verbundenen Konfrontationskurs der Bundesregierung gegenüber Russland. Am Samstag werden bei dem Antikriegsmeeting die Unterschriften überreicht. Wenn es ein paar weniger sind als 30.000, dann versuchen wir auf dem Pressefest die fehlenden Unterschriften zu sammeln.

Also wird ein politischer Schwerpunkt des Festes auch die Friedensfrage sein?

Das geht ja gar nicht anders. Gerade ist das Oberhaupt der Donezker Volksrepublik, Alexander Sachartschenko, ermordet worden. Dafür sind die Bündnispartner der deutschen Regierung in der Ukraine verantwortlich, allen voran Petro Poroschenko. Die deutsche Bundesregierung kann sich noch nicht einmal damit abfinden, dass der von ihr unterstützte Krieg gegen Syrien gescheitert ist. Gleichzeitig wird das deutsche Militär mit Milliarden Euro für große Kriege aufgerüstet und Deutschland übernimmt eine führende Rolle in der NATO bei der Einkreisung Russlands.

Welche Themen werden das Fest noch dominieren?

Es sind die Themen, die uns alle bewegen. Dass bezahlbarer Wohnraum fehlt zum Beispiel, was besonders jetzt zu Semesterbeginn noch deutlicher zu spüren ist; der Personalmangel im Gesundheitswesen, wo wir eine herzliche Einladung an die Kolleginnen und Kollegen der Unikliniken in Essen und Düsseldorf ausgesprochen haben, die ja noch vor wenigen Tagen für mehr Personal gestreikt haben – auch in unserem Interesse. Das UZ-Pressefest ist ein Fest der internationalen Solidarität. Wir dürfen dieses Jahr 34 internationale Vertreter von kommunistischen und Arbeiterparteien begrüßen, außerdem Vertreter der Botschaften Kubas, Viet­nams und Laos. Und natürlich haben wir viel zu feiern: 50 Jahre SDAJ, 50 Jahre DKP, 100 Jahre KPD, 200 Jahre Karl Marx. Wenn wir es derzeit nicht mit einem organisierten Rechtsruck zu tun hätten, wir würden nur noch feiern.

Traditionell nehmen an den UZ-Pressefesten nicht nur Mitglieder der DKP teil, sondern Linke aller Couleur. Ist das so auch gewünscht?

Es ist das größte Fest der Linken in Deutschland. Dass es das nicht wäre, wenn nicht auch Linke ohne DKP-Parteibuch kommen würden, haben Sie ja bereits angedeutet. Auch die jW leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Aber Pressefestbesucherinnen und -besucher schauen nicht einfach nur vorbei. Genossinnen und Genossen ohne Parteibuch helfen beim Auf- und Abbau, haben zur Finanzierung des Festes beigetragen und Werbung dafür gemacht. Das Pressefest ist so etwas wie ein Familientreffen der Linken. Man kennt sich aus der Gewerkschaft, aus der Friedensbewegung oder aus dem Kampf gegen alte und neue Nazis.

Lars Mörking ist Chefredakteur des DKP-Parteiorgans Unsere Zeit (UZ)


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