Aus: Ausgabe vom 04.09.2018, Seite 16 / Sport

Cornflakes zählen

Von Marek Lantz
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»Von so einem Eiermaler betrogen«: Jan Löhmannsröben (r.) und Florian Pick in Zwickau

Tradition in Not: Im freien Fall befinden sich derzeit die Zweitligaabsteiger Eintracht Braunschweig und 1. FC Kaiserslautern. Ganz düster sieht es in der fußballerischen Drittklassigkeit für die Niedersachsen aus. Nach einer neuerlichen 0:3-Pleite, diesmal bei Überraschungstabellenführer SpVgg Unterhaching, fiel die noch sieglose Eintracht auf den letzten Tabellenplatz zurück. Der im Sommer zum Klub gekommene Trainer Henrik Pedersen ist heilfroh über die bevorstehende 14tägige Länderspielpause: »In den nächsten zwei Wochen werden wir viel trainieren«, kündigte er nach dem blutleeren Auftritt bei den Münchner Vorstädtern an.

Im Verein ist man derweil noch immer damit beschäftigt, alte Zöpfe abzuschneiden. Beerbte Pedersen zunächst lediglich den fast ein Jahrzehnt lang in Braunschweig wirkenden Kulttrainer Torsten Lieberknecht, so übertrug man ihm in der vergangenen Woche auch noch die Kaderplanung, denn mit dem Sportlichen Leiter Marc Arnold wurde nun nach Lieberknecht das zweite Gesicht des kurzzeitigen Eintracht-Hochs, das den Deutschen Meister von 1967 wieder bis in die Bundesliga gespült hatte, vor die Tür gesetzt.

Eher nach außen richten sich wie gewohnt die Aggressionen in der Pfalz, wo der einst vom damaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck in Zeiten akuter Finanznöte als systemrelevant eingestufte 1. FC Kaiserslautern den Ton angibt. Tabellarisch rangiert der erstmals in seiner Geschichte nur noch drittklassige FCK zwar noch knapp über dem Strich, doch das 1:1-Remis am Sonnabend beim FSV Zwickau löste mächtigen Ärger aus. Dabei war der FCK zunächst über weite Strecken das bessere Team und kam nach einer Stunde durch den ehemaligen Jenenser Timmy Thiele auch zur verdienten Führung.

Markus Wollenweber wurde dann zum bösen Buben: Zunächst verweigerte der Schiedsrichter dem FCK einen Elfmeter, um im direkten Gegenzug den Sachsen einen äußerst diskutablen Strafstoß zu bewilligen. Zwickaus für seine Unbeholfenheit berüchtigter Angreifer Ronny König hatte zum Fallrückzieher angesetzt und dabei seinen Gegenspieler Jan Löhmannsröben im Gesicht getroffen. Der stürzte daraufhin zu Boden und touchierte im freien Fall den Ball mit der Hand – für Wollenweber Grund genug, auf den Punkt zu zeigen. Zwickaus Kapitän Toni Wachsmuth verwandelte zum 1:1 und die Pfälzer Seele kochte hoch: »Da wirst du hier von so einem Eiermaler betrogen. Das ist eine bodenlose Frechheit. Ich hoffe, der kann eine Woche lang nicht schlafen«, grollte Löhmannsröben und empfahl Wollenweber, »lieber Cornflakes zu zählen und Kreisliga zu pfeifen«.

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