Aus: Ausgabe vom 03.09.2018, Seite 15 / Politisches Buch

Kompetenzen gebündelt

Heft 115 der marxistischen Zeitschrift Z. ist erschienen

Von Günter Benser
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Die Revolution ist da: Demonstrationszug in Berlin, Unter den Linden, 9. November 1918

Dass die Zeitschrift Marxistische Erneuerung ihr Herbstheft dem 100. Jahrestag der Novemberrevolution gewidmet hat, wird niemanden überraschen; auch nicht, dass dies auf dem von diesem Publikationsorgan gewohnten hohen Niveau geschieht. Verlaufsgeschichte, Biographik und Interpretation treffen sich dabei mit beträchtlichem Informationswert und großer Aussagekraft.

Einleitend werden der historische Platz der Novemberrevolution erörtert und die Kräftekonstellationen sowie die Ergebnisse dieser Erhebung analysiert (Stefan Bollinger), womit zugleich eine Klammer für das ganze Heft geliefert wird. Dies findet seine Ergänzung in einem Literaturbericht (Holger Czitrich-Stahl/Rainer Holze), in dem neue Forschungsergebnisse vorgestellt werden, welche die differenzierte Darstellung des realen Geschehens und der Interpretationen befruchtet haben. Generell, besonders jedoch in einem speziellen Beitrag (Klaus Gietinger), wird die ausschlaggebende und nachhaltige Rolle der konterrevolutionären Gewalt als Geburtshelfer der Weimarer Republik und Wegbereiter des Faschismus hervorgehoben.

Weitere Beiträge sind speziellen Aspekten oder herausragenden Persönlichkeiten gewidmet, so vor allem der aus den Bremer Linksradikalen hervorgegangenen Gruppierung der Internationalen Kommunisten Deutschlands/IKD (Gerhard Engel), der Rolle proletarischer Frauen in der Antikriegsbewegung und der Novemberrevolution (Mirjam Sachse), dem Revolutionsverständnis Rosa Luxemburgs (Annelies Laschitza) und dem kritischen demokratischen Sozialisten Wilhelm Dittmann, der sich nicht nur mit der Politik der Sozialdemokratie, sondern auch offensiv mit der Kriegsschuldlüge und der Dolchstoßlegende auseinandergesetzt hat (Jörg Wollenberg). Über den engeren Rahmen der Novemberrevolution hinaus, aber die hier liegenden Wurzeln aufdeckend, weisen Beiträge über die frühe KPD im Spannungsverhältnis von Offensivtheorie und Einheitsfrontpolitik (Harald Jentsch) und über das Jahr 1923 (Matthias Buckmiller). Zusätzlich enthält das Heft Texte, die noch einen Nachhall des Karl-Marx-Jahres darstellen.

Zu loben ist, dass sich in diesem Periodikum – was selten genug geschieht – die Kompetenzen sachkundiger Fachleute begegnen, die teils ihren Ursprung in der alten BRD, teils in der DDR haben. Was von diesen Erträgen beim bevorstehenden Jahrestag in die offizielle und mediale Erinnerungskultur durchdringen wird, bleibt abzuwarten. Die Zeitschrift Z. hat jedenfalls rechtzeitig einen verdienstvollen Beitrag zum Jubiläum der Novemberrevolution geleistet.

Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Heft 115 (September 2018), 240 Seiten, zehn Euro, Bezug: Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Postfach 50 09 63, 60397 Frankfurt am Main, E-Mail: redaktion@zme-net.de


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