Aus: Ausgabe vom 03.09.2018, Seite 8 / Abgeschrieben

»Europas Grenzen töten«

Laut vorab verbreitetem Redetext sagte Emily Laquer von der Interventionistischen Linken bei der Abschlusskundgebung der Großdemonstration »Seebrücke« am Sonntag auf dem Hamburger Rathausmarkt:

Vor Wochen fiel eine britische Touristin von Bord eines Kreuzfahrtschiffes im Mittelmeer, und es wurde alles in Bewegung gesetzt, um sie zu retten. Richtig so. Aber das zeigt uns auch, warum so viele sterben gelassen werden, die man retten könnte: weil ein schwarzes Leben nicht zählt. Die Ursache ist schlicht Rassismus. Europas Grenzen töten. Absichtlich, um abzuschrecken. Für das Leben jedes einzelnen Geflüchteten zu kämpfen, das ist unser Black Lives Matter!

Ängstlich schauen alle nach rechts, machen sich Gedanken über die Sorgen der Wutbürger und Hitlergrüßer in Chemnitz. Die Parteien haben vor der AfD mehr Angst als vor uns. Weil unsere Besorgnis und unsere Empörung nicht soviel zählt wie die des rassistischen Mobs. Unsere Aufgabe ist, das zu ändern. Unser Ruf nach Menschlichkeit und Solidarität muss lauter werden als die Hetze. Unbequemer und unüberhörbar. Damit fangen wir jetzt an. Hier in Hamburg.

Lasst uns der sichere Hafen sein, in dem das nächste Schiff mit Menschen in Not anlegt. Das nächste Boot nehmen wir! Auch gegen den Widerstand des Innenministeriums. Bürgermeister Peter Tschentscher kann weiter auf Tauchstation gehen, oder er kann das Richtige tun. Es ist seine Entscheidung. Wir sind die Seebrücke, die sich dem Grenzregime der Seehofers, Salvinis und Orbans verweigern kann. Wir kommen wieder und lassen nicht nach. Bis die Leute hier ankommen und eine menschenwürdige Unterkunft und Versorgung gefunden haben. Bis alle Hamburgerinnen und Hamburger die gleichen Rechte bekommen. Und niemand mehr abgeschoben wird.

Die Initiative »Buirer für Buir« teilte am Sonntag mit:

In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist das »Bündnismobil«, ein von der Feuerwehr ausrangiertes, aber technisch runderneuertes Feuerwehrauto in Buir auf der Merzenicher Str. ausgebrannt. In unmittelbarer Nähe wohnt das Mitglied der sogenannten Kohlekommission, Antje Grothus, sowie der Besitzer der heftig umstrittenen besetzten Wiese, des sogenannten Wiesencamps. Das Bündnismobil war in den letzten Tagen Bezugs- und Rückzugsort der Mahnwache am Hambacher Wald – vorher wurde es regelmäßig bei Demonstrationen, Waldspaziergängen und anderen Mahnwachen eingesetzt – so z. B. über mehrere Wochen bei einer Mahnwache an der Domplatte in Köln. Erst vor knapp zwei Wochen wurde das Bündnismobil im Rahmen des »Camp for future« mit einer hochwertigen Beschallungsanlage sowie mit einem Innenausbau zur Lagerung von Demomaterial, Bannern, Flyer, Teller, Tassen etc. ausgebaut.

»Ich glaube nicht an Zufall«, so Andreas Büttgen von der Initiative Buirer für Buir. »Nachdem nun immer wieder verbal gezündelt und wiederholt Symbole des Braunkohleprotestes zerstört oder entwendet wurden, liegt zumindest der Verdacht nahe, dass hier bewusst Brandstiftung erfolgte. Dafür spricht auch, dass der Brand nach ersten Erkenntnissen nicht im Motorraum ausbrach.«


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Regio: