Aus: Ausgabe vom 03.09.2018, Seite 3 / Schwerpunkt

China als Gläubiger in Afrika

Nur wenige Staaten haben sich mehrheitlich in Beijing verschuldet

Von Jörg Kronauer
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Beijing investiert kräftig – auch in afrikanische Staaten

Auf den FOCAC hat China regelmäßig in Aussicht gestellt, satte Entwicklungsdarlehen und Exportkredite für afrikanische Staaten bereitzustellen. Beim FOCAC 2015 summierten sich die Ankündigungen auf gewaltige 35 Milliarden US-Dollar; dieses Jahr dürften weitere folgen. Laut dem Urteil von Experten der »China-Africa Research Initiative« an der Johns Hopkins University School of Advanced International Studies in Washington handelt es sich nicht nur um hohle Phrasen – China hält seine diesbezüglichen Versprechungen weitgehend ein.

Nun sind Kredite natürlich hilfreich. Doch können die begünstigten Länder die Milliardensummen, die ihnen zur Verfügung gestellt wurden, auch zurückzahlen, oder geraten sie in die Schuldenfalle? Die Frage ist wichtig, auch wenn sie sich zur Zeit zum Lieblingsthema westlicher Politiker und Kommentatoren entwickelt, die China am Zeug flicken wollen und sich über jede Gelegenheit dazu freuen. Einer Antwort haben sich die erwähnten Forscher von der Johns Hopkins University anzunähern versucht. Sie sammeln seit vielen Jahren penibel Datenmaterial über Chinas Afrikaaktivitäten und haben schon so manchen Propagandamythos über die »gelbe Gefahr« genervt entlarvt. Die Situation in 17 Staaten Afrikas, die ernste Verschuldungsprobleme haben, haben sie untersucht.

Das Ergebnis: In acht dieser Staaten haben chinesische Kredite nichts mit den Schuldenproblemen zu tun – denn entweder sind sie sehr gering wie etwa in Kap Verde (weniger als zwei Prozent der Gesamtverschuldung), oder die Probleme sind selbst nach Einschätzung des IWF anderweitig verursacht, wie etwa im Südsudan, der im Bürgerkrieg versunken ist. In sechs Staaten spielen chinesische Kredite eine größere Rolle, etwa in Äthiopien und in Ghana; doch kann man Probleme dort nicht China allein in die Schuhe schieben, denn Äthiopien hat sich neben zwölf Milliarden US-Dollar in China weitere 17 Milliarden US-Dollar woanders geliehen, unter anderem bei der Weltbank, während Ghana in der Volksrepublik mit vier Milliarden US-Dollar in der Kreide steht, aber mit 21 Milliarden US-Dollar bei anderen Kreditgebern.

Eine dominierende Rolle spielen chinesische Kredite den Experten zufolge nur in Sambia, in Dschibuti und in der Republik Kongo (Brazzaville). Dort ist die Lage so nebulös, dass Premierminister Clement Monamba im Juli nach Beijing reisen musste, um herauszufinden, wie hoch die Verschuldung seines Landes ist; es sind wohl satte 7,1 Milliarden US-Dollar. Sambia schuldet China 6,4 Milliarden US-Dollar bei Außenständen von insgesamt 8,7 Milliarden; Dschibuti hat 77 Prozent seiner Darlehen in Beijing aufgenommen. Die Frage, wie die Volksrepublik damit umgeht, wird wohl ein Prüfstein für ihre Süd-Süd-Kooperation.

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