• Pol & Pott

Aus: Ausgabe vom 01.09.2018, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Sternchenküche

Sternchenküche

Von Ina Bösecke

»Du bist das Ungeheuer, das immer schreit«, sagt ein Mädchen zum Sternekoch Adam Jones (Bradley Cooper). Damit ist eigentlich alles gesagt, was in dem Film »Im Rausch der Sterne« (USA 2015) von John Wells passiert. Erwarten Sie jedenfalls keinen informativen Film über das Kochen, der womöglich Geheimnisse preisgibt, wie Sie Ihr eigenes Essen aufpeppen können, um Gäste zu beeindrucken. Statt um das Kochen geht es um einen Koch, einen cholerischen, egozentrischen, sich permanent selbst überschätzenden noch dazu. Statt Tips und Tricks rund um das Zubereiten von Speisen werden uns hohle Phrasen zum Thema präsentiert, so bedeutungsvoll ausgesprochen, als handele es sich um Weisheiten, die man direkt von Konfuzius, Jesus Christus oder Karl Marx übernommen hat.

Tatsächlich ist dieser Adam Jones ein außergewöhnlich guter Koch, der für sein Restaurant in Paris einst zwei Michelin-Sterne erhielt (das heißt, dass man eine Spitzenküche vorzuweisen hat). Da er sich aber wie ein völlig fertiger Rockstar gegenüber Chefs, Mitarbeitern und Freunden verhielt, wurde er von allen fallengelassen wie eine heiße Kartoffel und war dann erst einmal für eine gewisse Zeit weg vom Fenster. Nun hat sich Adam aufgerafft und schart mit Überzeugungskunst willige kochbegabte Menschen um sich, um erneut in den Kampf um das beste Restaurant (diesmal in London) einzusteigen. Sein Ziel ist es, drei Michelin-Sterne zu erhalten (bedeutet: einzigartige Küche). Ein erbarmungsloser, stressiger Kampf wird da gezeigt. Man kann die Zeit besser für die Sternchenküche zu Hause nutzen. Mit gebackenem Vanilleeis auf marinierten Früchten zum Beispiel:

Für das Vanilleeis einen halben Liter Milch, 200 g Sahne, 150 g Zucker und das Mark von einer Vanilleschote aufkochen. Acht Eigelb in eine Schüssel geben. Die heiße Milch-Sahne-Mischung vorsichtig unter das Eigelb ziehen. Die Schüssel auf ein Wasserbad setzen und die Masse zu einer Creme rühren. Diese dann in ein kaltes Gefäß gießen, abkühlen lassen und anschließend in einer Eismaschine gefrieren. Das gefrorene Eis mit einem Eisportionierer zu Kugeln formen und für zirka vier Stunden im Tiefkühlgerät durchfrieren lassen. Für den Marzipanteig 50 g Marzipanrohmasse mit 30 g Puderzucker verkneten. Den Teig dünn ausrollen und um die gefrorenen Eiskugeln wickeln. Diese danach wieder ins Tiefkühlgerät geben. Für den Backteig 180 g Mehl in eine Schüssel sieben. Einen viertel Liter Milch und ein Eigelb unterrühren, zwei EL Vanillezucker, ein EL Zucker, eine Prise Salz und eine Prise Backpulver einarbeiten. Teig etwa 30 Minuten ruhen lassen. 50 g marinierte Früchte auftauen, etwas Puderzucker dazugeben. 300 g gemischte Beeren waschen, abtropfen lassen. Himbeeren durch ein feines Sieb streichen und damit die Beerenmischung marinieren. Reichlich Öl auf 170 Grad erhitzen. Die Eiskugeln mit dem Marzipanteigmantel im Backteig wenden und kurz goldgelb ausbacken, so dass der Teig knusprig wird. Auf Küchenpapier abtropfen lassen und mit etwas Puderzucker bestäuben. Mit den Beeren anrichten und sofort servieren.

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