Aus: Ausgabe vom 01.09.2018, Seite 5 / Inland

Mehr Personal erkämpft

Einigung zwischen Verdi und Unikliniken Düsseldorf und Essen erzielt

Von Susanne Knütter
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Verdi hatte 200 zusätzliche Stellen als Sofortmaßnahme für Entlastung an den Unikliniken Düsseldorf und Essen gefordert. Nun sollen die Häuser insgesamt jeweils 180 neue Stellen erhalten

Hieß es Donnerstag abend noch, trotz Schlichtung sei keine Einigung in Sicht, verkündete die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Freitag morgen, man habe mit den Unikliniken eine vertragliche Vereinbarung über die Entlastung der Beschäftigten getroffen.

Seit mehr als zwei Monaten hatten konstant an die 300 Beschäftigte an der Uniklinik Essen und an die 400 Beschäftigte an der Uniklinik Düsseldorf für mehr Personal an den Krankenhäusern gesreikt. Die Gespräche zwischen den Klinikleitungen und Verdi scheiterten zuletzt an der Weigerung der Vorstände, mit der Gewerkschaft eine Vereinbarung zu treffen (jW berichtete am 24.8.). Daraufhin schlug die Landesregierung ein Schlichtungsverfahren vor, das Donnerstag abend endete.

Im einzelnen sieht das Ergebnis der Schlichtung folgendes vor: An beiden Unikliniken werden jeweils 180 Vollzeitstellen zusätzlich geschaffen. Aufgeteilt werden diese in 140 Stellen für die Pflege am Bett und im Funktionsdienst (etwa OP) sowie 40 Vollkraftstellen in anderen Bereichen (etwa Krankentransport). Davon sollen 50 Stellen noch im Jahr 2018, zusätzliche 65 zum 30. Juni 2019 sowie weitere 65 zum 31. Oktober 2019 geschaffen werden. Die Kliniken haben sich zudem verpflichtet, Personalbedarfsermittlungsverfahren für alle Pflegeorganisationsbereiche einzuführen, mit denen Regelbesetzungen für jede Schicht bestimmt werden. Bei absehbarer drohender Unterschreitung der Soll- bzw. Regelbesetzungen müssen die Kliniken Springer einsetzen oder weniger Patienten neu aufnehmen. Kann bei kurzfristigem Personalausfall innerhalb von drei aufeinanderfolgenden Schichten oder einer Schichtart (z. B. Frühschicht) an drei aufeinanderfolgenden Tagen kein Ersatz bereitgestellt werden, sind Patientenverlegungen, Abbestellungen von Patienten bzw. Bettenschließungen oder weniger OPs zu veranlassen. Für die Ausbildung soll gelten: Auszubildende werden im Dienstplan zusätzlich geplant und sind nicht auf die Regelbesetzung der Pflegefachkräfte anzurechnen. Für alle Auszubildenden ist darüber hinaus eine direkte Zusammenarbeit unter Aufsicht einer Fachkraft des angestrebten Ausbildungsberufes sicherzustellen.

Dem Schlichtungsergebnis hat die Verdi-Schlichtungskommission bereits zugestimmt. Am Freitag diskutierten die Beschäftigten der Kliniken das Resultat. Umstritten sind z. B. die geringe Stellenanzahl und das fehlende Konsequenzenmanagement für die nicht pflegerischen Bereiche. Andererseits sei das Ergebnis als Teilerfolg anerkannt worden, den es so noch nicht gegeben habe, hieß es am Freitag aus Verdi-Aktivenkreisen. Bis Redaktionsschluss hatte die Verdi-Tarifkommission noch nicht über ihre Empfehlung zum Schlichtungsausgang entschieden, über den die Gewerkschaftsmitglieder in der kommenden Woche eine Urabstimmung abhalten werden.

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