Aus: Ausgabe vom 28.08.2018, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Auf dem Rücken der Angestellten

Verwirrspiel um mögliche Fusion von Karstadt und Kaufhof hält an

Von Stefan Thiel
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Aus den beiden Nachbarn könnte bald ein Konzern werden (Karstadt- und Kaufhof-Filiale in Düsseldorf)

Die Belegschaften der beiden Warenhausketten Karstadt und Galeria Kaufhof mussten in den letzten Tagen mal wieder ein Wechselbad der Gefühle durchleben. Ihre berufliche Zukunft bleibt weiterhin unklar. Hatte es Ende vergangener Woche in Medienberichten noch geheißen, die geplante Fusion stehe kurz vor dem Abschluss, spekulierte die Süddeutsche Zeitung (SZ) am gestrigen Montag schon wieder über ein mögliches Scheitern des Zusammenschlusses.

Wie die SZ berichtete, hat die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) dem kanadischen Kaufhof-Mutterkonzern Hudson’s Bay Company (HBC) ein Ultimatum bis zum 30. September gestellt. Bis dahin solle HBC die der Landesbank vor drei Jahren zugesagten Kreditbedingungen erfüllen. Geschehe dies nicht, könnte die Bank den Kredit in Höhe von 1,34 Milliarden Euro »fällig stellen«. Solange HBC Antworten schuldig bleibe, wackele auch die geplante Fusion mit Karstadt, so die SZ. Eines der wichtigsten Kriterien bei der Beurteilung sei demnach die Geschäftsentwicklung von Kaufhof. HBC hatte den Banken Gewinne versprochen, in letzter Zeit mehrten sich jedoch Verluste. Probleme könnte die Fusion auch noch von Seiten des Bundeskartellamts bekommen. Es kündigte am Montag an, den geplanten Zusammenschluss genau unter die Lupe nehmen zu wollen.

Erst in der vergangenen Woche hatte das Manager-Magazin unter Berufung auf Insider vermeldet, die Fusionsverhandlungen näherten sich der Zielgeraden, und die entsprechenden Verträge zwischen HBC und der Signa-Gruppe von Karstadt-Eigentümer René Benko könnten bereits im September unterzeichnet werden. Signa solle demnach 50,1 Prozent des Gemeinschaftsunternehmens und damit auch die Führung übernehmen.

Ausgetragen wird das mediale Hin und Her jedenfalls auf dem Rücken der Angestellten. Derzeit betreibt Galeria Kaufhof in der BRD noch 96 Filialen, Karstadt rund 80 Warenhäuser. Zusammen beschäftigen die beiden Ketten mehr als 30.000 Mitarbeiter. Bei Kaufhof soll es laut dem Manager-Magazin »in den kommenden zwei Jahren keine Schließungen in größerem Umfang geben«. Dies gelte jedoch nicht für die Kaufhof- und Karstadt-Standorte, deren Mietverträge in nächster Zeit auslaufen.

Was dies für die Beschäftigten bedeuten könnte zeigt sich derzeit in Leipzig. Der Eigentümer der dortigen Karstadt-Immobilie, die luxemburgische Finanzfirma Even Capital, hat den Mietvertrag bereits zum 31. März 2019 gekündigt. Zuvor hatte er eine Mieterhöhung um 68 Prozent gefordert, was Karstadt nicht akzeptierte. Am 10. August wurden die 400 Mitarbeiter nach Angaben der Gewerkschaft Verdi auf einer Betriebsversammlung über ihre bevorstehende Entlassung informiert.

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