Aus: Ausgabe vom 25.08.2018, Seite 8 / Ansichten

Gourmet des Tages: Jussi Niinistö

Von Roland Zschächner
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Landesverteidigung ist eine heikle Angelegenheit. Auch im hohen Norden. Finnland kann davon ein leidvolles Liedchen trällern. Denn wenn man auf der falschen Seite steht, kann am Ende des Kriegs ein Teil des Landes futsch sein. Damit sich das nicht wiederholt, müssen die finnischen Soldaten fit sein. Eine ausgewogene Ernährung ist dabei das A und O. Nicht umsonst heißt es »ohne Mampf kein Kampf«.

Doch was nährt den Landser im Feld? Darüber zerbrechen sich in den militärischen Instituten der Welt die gelehrten Uniformierten die Köpfe. Nun prescht Finnland mal wieder vor: Ab Herbst soll der Blechnapf der 35.000 Soldaten einmal pro Woche nur mit Vegetarischem gefüllt werden. Das sei gesünder und – man höre und staune – klimaverträglicher, wie die Puolustusvoimat, die Streitkräfte Finnlands, mitteilten.

Ob das gutgeht? Zumindest der Verteidigungsminister Jussi Niinistö meldet Bedenken an. In einem am Freitag veröffentlichen Zeitungskommentar bietet der an der Universität Helsinki Militärgeschichte lehrende Politiker der konservativen Partei »Blaue Zukunft« sein ganzes ihn zu seinem Posten befähigendes Wissen auf: »Einem alten Sprichwort zufolge marschiert eine Armee mit dem Bauch. Keine Armee kämpft mit der Kraft von Linsensuppe und Blumenkohl-Smoothie.« Und weil das so ist, wird der Speiseplan nun noch mal untersucht. Sonst drohe Gefahr: Die Soldaten könnten sich im zivilen Leben versorgen, z. B. bei kasernennahen Pizzalokalen oder Steakhäusern. Dann wäre das ganze schöne Tagesgeld hin, nur damit der Kohldampf gestillt wird.

Und eine andere wichtige Sache spricht Niinistö auch noch an: Es könne nicht sein, dass »jeder gezwungen ist, dasselbe zu essen«. Undenkbar. Wo kämen wir denn hin, wenn bei der Armee die Soldaten machen müssten, was ihnen befohlen wird.


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