Aus: Ausgabe vom 21.08.2018, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Beschäftigte wie Spielzeug behandelt

Gewerkschaft kritisiert Betriebsratsmobbing bei »Playmobil«-Hersteller in Franken

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Zeit zum Aufstehen: Laut IG Metall herrscht im »Playmobil«-Werk im mittelfränkischen Dietenhofen ein »Klima der Angst« (Figuren des Herstellers an einem Stand der Gewerkschaft; Berlin, 1.5.2014)

Angriff auf die Mitbestimmung: Beim »Playmobil«-Spielzeughersteller »Geobra Brandstätter« im fränkischen Dietenhofen werden IG-Metall-Betriebsräte, die sich für die Belange der Beschäftigten einsetzen, offenbar gemobbt. Darauf machte die Gewerkschaft am vergangenen Freitag auf ihrer Internetseite aufmerksam. Die Geschäftsführung wolle die Interessenvertreter nun aus dem Betrieb »herausklagen«, so die IG Metall.

Das vermeintliche Vergehen der Betriebsräte: Sie hatten in der Werkhalle eine Temperatur von mehr als 37 Grad gemessen und anschließend die Kollegen mittels Aushang über ihre diesbezüglichen Rechte, etwa auf regelmäßige »Entwärmungsphasen«, informiert. Dies habe die Geschäftsführung »auf die Palme gebracht«. Die Interessenvertreter hätten damit, so die Kapitalseite, das »Gebot zur vertrauensvollen Zusammenarbeit« missachtet. Nach Angaben der IG Metall wird die Leitung von »Geobra Brandstätter« bei ihrem Vorgehen auch von unternehmernahen Mitgliedern des Betriebsrats unterstützt.

Dabei hätten die IG-Metall-Betriebsräte nur »ihren Job gemacht«. Schließlich seien sie gesetzlich dazu verpflichtet, darüber zu wachen, dass Beschäftigtenrechte wie etwa die Vorschriften bei Hitze am Arbeitsplatz eingehalten werden. Die Firma unternehme hier »seit Jahren zu wenig«, was auch die Gewerbeaufsicht bereits angemahnt habe. Anträge auf Maßnahmen gegen die Hitze würden durch die »arbeitgeberhörige Opposition« im Betriebsrat blockiert. Aus Sicht des Unternehmens werde bereits genug gegen die hohen Temperaturen gemacht. Unter anderem werde auf günstig zu erwerbendes Wasser verwiesen. Wer hier »eigenmächtig« handele, dem drohten »disziplinarische Maßnahmen«, warnte die Geschäftsführung per Aushang.

Nach Angaben der IG Metall sind in der Montagehalle die Griffe von den Fenstern entfernt. Ein Beschäftigter, der die Hitze nicht mehr aushielt und deshalb einen Löschwasserhydranten aufdrehte, sei »kurzerhand gefeuert« worden. Dabei hätten die Mitarbeiter dies in den letzten Jahren immer so gemacht, wenn es zu heiß wurde.

Das Verhalten der Manager sei jedoch nicht neu: Kündigungen, Abmahnungen, Überwachung und Strafversetzungen seien an der Tagesordnung. »Ein derartiges Klima der Angst habe ich noch bei keinem anderen Unternehmen erlebt«, betonte Bianka Möller, zuständige Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Westmittelfranken. Die Folge: In einigen Abteilungen sei fast jeder vierte Beschäftigte krank. Wer könne, der gehe. Allein in der »Intralogistik« mit 60 Mitarbeitern habe seit Anfang August jeder zehnte gekündigt. (sth)


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