Aus: Ausgabe vom 20.08.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Ford kündigt »Sparkurs« an

Tochter des US-Autokonzerns kaum profitabel. Belegschaft verunsichert

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Montage des Ford-Modells »Fiesta« 2018 im Werk Köln

Das Geschäft des US-Autobauers Ford kriselt. Für die Europa-Tochter in Köln dürfte das Konsequenzen haben. »Ford muss ein strukturelles Problem (...) lösen, und da ist alles denkbar und möglich«, zitierte die Nachrichtenagentur dpa am Sonntag Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Der Branchenkenner hält es sogar für möglich, dass Ford die Reißleine zieht, so wie es bereits der US-Rivale General Motors mit dem Verkauf der Tochter Opel/Vauxhall vorgemacht hat.

»Wir sind extrem unzufrieden mit unserer Leistung in Europa und China«, sagte Vorstandschef James Hackett nach Vorlage der aktuellen Zahlen für das zweite Quartal. »Mit derartigen Resultaten hatten wir nicht geplant.« Bis 2022 sollen nun 25,5 Milliarden Dollar »eingespart« werden. Geschäftsbereiche mit unterdurchschnittlicher Leistung erhielten schlichtweg kein Geld mehr, kündigte er an.

Die Zahlen für die Ford of Europe GmbH sehen nicht gut aus: In den drei Monaten bis Ende Juni verschlechterte sich das operative Ergebnis im Jahresvergleich um 195 Millionen US-Dollar, letztlich fiel ein Quartalsverlust von 73 Millionen Dollar (64 Millionen Euro) an. Auch für das Gesamtjahr 2018 erwartet Ford in Europa rote Zahlen. Das Quartalsergebnis sei unter anderem den gestiegenen Kosten wegen neuer Abgasvorschriften geschuldet. Zudem hätten ungünstige Wechselkurse insbesondere beim Britischen Pfund das Ergebnis gedrückt, hieß es aus Köln auf dpa-Nachfrage.

Betriebsratschef Martin Hennig richtet indes Forderungen an die Konzernspitze: Für den Standort Köln wünsche er sich die Fertigung eines zweiten Modells neben dem »Fiesta«, sagte Hennig der Kölnischen Rundschau (Freitagausgabe). Zudem machte er deutlich, dass es bei Kostensenkungen nicht nur um die für Personal gehen könne. »Eine Strategie, die mehr gleiche Teile bei den Fahrzeugen verwendet, würde helfen.« Die Mitarbeiter seien nach der Kritik der Konzernführung verunsichert.

Hauptproblem ist die »Rendite«. Laut Dudenhöffer ist Ford im EU-Massengeschäft kaum profitabel. Und die Schwierigkeiten hier seien umso belastender, weil Ford im weltgrößten Automarkt China einen Einbruch der Verkäufe zu verkraften habe. »Da wird noch einiges kommen«, so der Experte.(dpa/jW)

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