Aus: Ausgabe vom 20.08.2018, Seite 8 / Abgeschrieben

Rede von Max Renkl zur Thälmann-Ehrung in Ziegenhals bei Berlin

Am 18. August 1944 wurde der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann im KZ Buchenwald ermordet. Um daran zu gemahnen, fanden am Sonnabend vor dem Thälmann-Denkmal in Berlin und am Sonntag im brandenburgischen Ziegenhals, wo der Antifaschist am 7. Februar 1933 sprach, Kundgebungen statt. Dort referierten Götz Dieckmann (Rotfuchs), Albrecht Geißler (Vorsitzender des Revolutionären Freundschaftsbundes e. V. – RFB) sowie Max Renkl vom »Freundeskreis Ernst-Thälmann-Gedenkstätte« Ziegenhals e. V. Er erklärte u. a.:

Bei unserer gestrigen Kundgebung vor dem Denkmal in Berlin-Prenzlauer Berg hatten wir hohen Besuch: Die Enkelin Rosa und Ernst Thälmanns, Vera Dehle-Thälmann, und ihr Mann Wolfgang (der übrigens seit diesem Jahr ebenfalls Mitglied bei uns wurde) waren anwesend sowie unsere Freunde aus Schottland, Sandra und Iain. Jedoch: Wir mussten sie vor einem völlig verdreckten Thälmann-Denkmal begrüßen. D. h., das Bezirksamt kommt seiner Zusage nicht mehr nach, das Denkmal zumindest am Geburtstag und am Jahrestag der Ermordung zu reinigen. Das hatte es immerhin seit 2006 getan, von 2000 bis 2006 haben wir geputzt. Das machen wir auch wieder, wenn es sein muss. Jedoch müssen wir vorerst den Druck erhöhen, unsere Aktivitäten verstärken. Für November sind von seiten des Bezirks Gespräche über die weitere Gestaltung geplant – uns schwant nichts Gutes. Und: Manche wissen vielleicht von den Korrosionsschäden im Inneren des Denkmals.

Ihr seht, unsere Aufgaben sind gestiegen, aber nicht unbedingt im gleichen Maße unsere Kräfte. Jeder ist uns willkommen.

Aber wir sind nicht allein. Erst gestern zum Jahrestag der Ermordung versammelten sich in Hamburg, in Berlin, in Chemnitz, in Dresden, in Magdeburg, in Weimar und in Zschopau Freundinnen und Freunde, Genossinnen und Genossen, um das Andenken an Ernst Thälmann hochzuhalten.

Zu unserer Freude und zum Ärger der Antikommunisten und Thälmann-»Fresser«, ist der Osten Deutschlands voll von Thälmann-Straßen und -plätzen. Zudem gibt es das Zeitzer Ernst-Thälmann-Stadion, das Erfurter Ernst-Thälmann-Viertel oder die intregrative Kita »Ernst Thälmann« in Apolda. Oder ein weiteres Beispiel: das »Rosa-Thälmann-Heim« in Guben.

Es ist das älteste Pflegeheim in Guben. Im Jahr 1956 wurde der Grundstein gelegt, 1959 zogen die ersten Bewohner ein. Zur Namensgebung 1965 kam sogar die Tochter von Rosa und Ernst Thälmann in die Stadt an der Neiße. Das Haus trägt noch heute den Namen der Kommunistin. Eine Umbenennung sei niemals Thema gewesen, hieß es in einem Artikel der Lausitzer Rundschau vom 15. August unter Berufung auf eine Pflegedienstleiterin. Aus ihrer Sicht hat das auch keinen Sinn. »Das Haus würde für die Gubener trotzdem das Thälmann-Haus bleiben«, wird sie zitiert.

Es geht uns um den ganzen Ernst Thälmann: Um den Schutz der Erinnerungsstätten an ihn im öffentlichen Raum und deren Verteidigung, es geht um seine Ehrung als Vorbild im antifaschistischen Kampf, es geht darum, ihn gegen Angriffe welcher Art auch immer zu verteidigen. Es geht darum, den kommenden Generationen zu vermitteln: Der Arbeiter und Revolutionär Thälmann, kompromisslos gegen Faschismus, Reaktion und Kapital, aber mit offenen Armen für alle fortschrittlichen und antifaschistischen Kräfte, für alle Werktätigen, dieser Thälmann ist unser Lehrer, ist unser Kompass für Zeiten, die mindestens genauso kompliziert werden wie es die damaligen waren.

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