Aus: Ausgabe vom 15.08.2018, Seite 16 / Sport

Für immer in Rot!

Von André Dahlmeyer
RTR186UT.jpg
Ein Herz für Kuba und Independiente: César Luis Menotti am Grab von Ernesto Che Guevara

Einen wunderschönen guten Morgen! Vergangene Woche wurde in Japan zum elften Mal die Copa Suruga Bank (Suruga Ginkō Chanpionshippu 2018 Ōsaka) ausgetragen. Seit 2008 treffen bei diesem offiziellen Kräftemessen der Meister der Copa J. League sowie der Gewinner der Copa Sudamericana (der Europa League vergleichbar) aufeinander. Ausrichter sind der japanische Verband und die Conmebol, der Fußballverband Südamerikas. Gespielt wird immer im Stadion des japanischen Meisters.

Bei den bisherigen zehn Editionen hatte nur viermal ein Team aus Südamerika die Oberhand behalten. Gleich der erste Pokal ging an das argentinische Team von Arsenal de Sarandí, ein Verein, der in den 50er Jahren von »Don Julio« Grondona gegründet wurde, bis zu seinem Tod 2014 »Finanzminister« der FIFA. Die weiteren Pötte für Südamerika gewannen Internacional aus Porto Alegre (2009), River Plate Buenos Aires (2015) und der »rote Express« von Independiente Santa Fe aus Bogotá (2016). Zwischen 2010 und 2012 kickten der FC Tokyo (gegen die Liga aus Quito), Júbilo Iwata (gegen die Argentinier von Independiente) sowie die Kashima Antlers (gegen die Universidad de Chile aus Santiago) kurioserweise jeweils 2:2. Das anschließende Elfmeterschießen gewannen dann immer die Asiaten. Haben Japaner einfach bessere Nerven?

Die Kashima Antlers wiederholten ihren Triumph ein Jahr später mit einem verdienten 3:2-Sieg gegen den FC São Paulo, wobei Yuya Osako ein Hattrick gelang. Die weiteren Titel für Japan gewannen 2014 Kashiwa Reysol (2:1 gegen die Argentinier von C. A. Lanús) sowie voriges Jahr die Urawa Red Diamonds, die 1:0 gegen Chapecoense aus Brasilien gewannen. Eine weitere Besonderheit, denn Chapecoense hatte die Copa Sudamericana nicht sportlich gewonnen. Das Flugzeug, mit dem das Team nach Kolumbien zum Finale gegen Atlético Nacional reiste, war abgestürzt. Anschließend baten die Verantwortlichen des Teams aus Medellín, damals bereits amtierender Copa-Libertadores-Gewinner, die Conmebol darum, den Pokal Chapecoense zu überlassen.

Der ecuadorianische Jürgen-Klopp-Kumpel Reinaldo Rueda zog 2017 in sein drittes südamerikanisches Copa-Finale hintereinander ein, zweimal mit Atlético Nacional, nun als Coach des brasilianischen Kultklubs Flamengo aus Río de Janeiro. Doch im Finalrückspiel im Maracaná-Stadion unterlagen seine von dem Ex-Werderaner Diego angeführten Schützlinge sensationell nach Elfmeterschießen gegen den Club Atlético Independiente aus Avellaneda, einem Vorort von Buenos Aires. Wegen der sich anschließenden Ausschreitungen musste Flamengo später mehrere Copa-Spiele ohne Publikum austragen. Rueda ist heute Trainer der »Roja«, der Auswahl Chiles. Definitiv das Beste, was den Trasandinos passieren konnte.

Die bekanntesten Independiente-Mitglieder sind César Luis Menotti und ich. Menotti sagte 1997, als er zur Sampdoria nach Genua wechselte: »Nie war ich so glücklich wie bei Independiente. Für mich ist Independiente wie Kuba.« Bis vor rund einer Dekade war Independiente der erfolgreichste Vereinsklub der Welt. Dann zogen Teams wie der AC Milano und die Boca Juniors vorbei. Mit dem ehemaligen Damenhockeytrainer Ariel Holan ist der Erfolg nach Avellaneda zurückgekehrt. In der Gluthitze des Nagai-Stadions gewannen die Roten Teufel gegen Cerezo Osaka, das sich durch seinen Finalsieg gegen Kawasaki Frontale für das Pokalendspiel qualifiziert hatte, mit 1:0. Mit nunmehr 18 internationalen Sternen ist Independiente wieder mit Boca gleichgezogen und also das erfolgreichste Team Lateinamerikas. Ich habe Menotti eine Stange Parisiennes geschickt!

Das junge Welt-Sommerabo

Lesen Sie drei Monate die gedruckte Ausgabe der Tageszeitung junge Welt! Das Abo kostet 62 Euro statt 115,20 Euro und endet automatisch, muss also nicht abbestellt werden. Dazu erhalten Sie das Buch »Marx to go« aus dem Verlag Neues Leben. Dieses Angebot ist nur bestellbar bis 24. September 2018.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Sport
  • Nach der Komplettübernahme kann Sportinvestor Stanley Kroenke mit dem FC Arsenal machen, was er will. Fans sorgen sich um ihre Mitspracherechte
    Rouven Ahl