Aus: Ausgabe vom 13.08.2018, Seite 8 / Abgeschrieben

Für den Aufbau einer Internationale der Arbeiter und Völker

Die Internetseite afrique-asie.fr veröffentlichte am 7. August unter dem Titel »Der unumgängliche Wiederaufbau der Internationale der Arbeiter und der Völker« einen Text des ägyptischen Wirtschaftswissenschaftlers Samir Amin. Beigefügt war folgender offene Brief:

Der globale Kapitalismus, der in seine Niedergangsphase eingetreten ist, verbindet eine gleichsam totalitäre ökonomische und wirtschaftliche Macht mit einer immer größeren Aggressivität und verschärft in beunruhigender Weise das Risiko eines allgemeinen Krieges. In dieser zugespitzten Krise wollen die imperialistischen Länder des historischen Westens (USA, Westeuropa, Japan) den Schwellenländern nicht gestatten, sich aus dem Rahmen zu befreien, den sie diesen auferlegt haben, und den Status einer unterdrückten Peripherie zu verlassen. Die Spannung zwischen dem Westen und Russland, China und dem Iran ist keine flüchtige Erscheinung, sondern das Epizentrum einer neuen gewaltsamen Aufteilung der Welt zugunsten der westlichen Bourgeoisien.

Unsere Antwort darauf als Emanzipationsbewegungen der Völker entspricht nicht dieser Gefahr. Unsere Kämpfe zerfasern, sind bruchstückhaft oder zu sehr auf nationale Fragen konzentriert. Wir haben die Ziele einer globalen Umgestaltung fallengelassen, die das Weltsozialforum und die globalisierungskritische Bewegung in ihren Anfängen verfolgten. Es ist bitter, aber selbst das Ziel der Beseitigung des Kapitalismus ist nicht präsent, obwohl mehr und mehr sichtbar wird, dass dieses System die Menschheit in ihren Untergang führt. Dabei war der Angriff unserer Feinde blitzartig: Gewaltsame oder juristische Konterrevolution vom Typ »Regime-Change« in Lateinamerika, politische Morde gegen die Revolution in Tunesien, Manipulation blutrünstiger extremistischer Gruppen, um Ägypten, Syrien und Afrika gleichzuschalten, ruhmloses Ende der Sozialforen Europas …

Die Erfahrung lehrt, dass die Zersplitterung der Kämpfe und die Ausnutzung der Rivalitäten zwischen unseren ideologischen Standpunkten und unserer historischen Spaltungen (Ost-West und Nord-Süd) durch das System dem Aufbau einer Gegenmacht auf globaler Ebene erheblich geschadet hat. (…)

Wir können in dieser politischen Ohnmacht nicht weitermachen, sondern müssen ein Bündnis aufbauen, mit dem wir uns mobilisieren und unsere gemeinsamen Kräfte neu aufstellen.

Die Idee des Aufbaus einer neuen Organisation vom Typ einer Internationale der Arbeiter und der Völker liegt seit mehreren Jahren in der Luft. Wir benötigen eine gegliederte Organisation, die sich bemüht, in den kämpfenden Bewegungen Ziele der gemeinsamen Kämpfe hervorzuheben und konkrete Solidarität herzustellen. Die Arbeiter aller Kontinente müssen in der Internationale vertreten sein, mit dem Ziel, dass die Einheit in der Vielfalt unsere Hauptorientierungslinie wird. (…)

Im Gegensatz zu vergangenen Internationalen werden eine Region oder ein Land durch verschiedene Organisationen vertreten. Das erfordert der Aufbau einer Einheit in Vielfalt; und hinsichtlich der Unterschiede zwischen den Partnern muss bewusst sein, dass das, was uns eint, wichtiger ist als das, was uns trennt, ohne die Unabhängigkeit aufzugeben. Zusammengefasst streben wir an, beim ersten Treffen eine langfristige Strategie mit präzisen Zielen und Terminen zu entwerfen.

Übersetzung: Arnold Schölzel

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