Aus: Ausgabe vom 13.08.2018, Seite 1 / Ausland

Massenproteste in Rumänien

Zehntausende gegen Korruption und Regierung. Aufklärung zur Gewalt vom Freitag gefordert

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Wasserwerfer und Tränengas gegen Demonstranten am Freitag in Bukarest

In Rumänien halten die Großdemonstrationen gegen Korruption und die sozialliberale Regierung an. Am Samstag gingen in mehreren Städten erneut Tausende Menschen auf die Straße und forderten den Rücktritt des Kabinetts. Auch müssten die Verantwortlichen für den Polizeieinsatz vom Vortag bestraft werden.

Am Freitag abend waren die in Wellen seit Anfang vergangenen Jahres anhaltenden Proteste in Bukarest erstmals von Gewaltausbrüchen begleitet worden. Vermummte, die sich unter die Demonstranten gemischt hatten, versuchten den Regierungssitz zu stürmen. Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken. Es gab rund 30 Festnahmen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Mediafax wurden 452 Menschen verletzt, unter ihnen 35 Polizisten.

Innenministerin Carmen Dan begründete am Samstag auf einer Pressekonferenz in Bukarest das Vorgehen der Polizei damit, dass diese mit gefährlichen Gewalttätern konfrontiert gewesen sei. Dagegen verurteilte Staatspräsident Klaus Johannis den Einsatz als unverhältnismäßig und forderte eine staatsanwaltliche Untersuchung der Vorfälle.

Viele der Demonstrationsteilnehmer waren im Ausland lebende Rumänen, die eigens für die Proteste in ihre Heimat gereist waren. Statistiken zufolge lebt und arbeitet jeder fünfte Rumäne im Alter zwischen 25 und 40 Jahren im Ausland, und nicht weniger als 55 Prozent der noch in ihrem Heimatland Lebenden wollen ebenfalls auswandern, wie eine am vergangenen Montag veröffentlichte Umfrage ergab. Vor allem Hochschulabsolventen unter 30 Jahren tragen sich demnach mit entsprechenden Plänen. Begründet wird das zumeist mit der schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Lage in Rumänien und der instabilen politischen Situation.

Die Kundgebungen am Samstag abend verliefen weitgehend ohne Zwischenfälle. Während sich in Bukarest nach Angaben der Agentur Agerpres knapp 25.000 Demonstranten vor dem Regierungsgebäude versammelten, gingen in Iasi etwa 10.000 Menschen auf die Straße. Aus Timisoara wurden von den Organisatoren 8.000 Teilnehmer gemeldet, aus Sibiu etwa 5.000. (dpa/AFP/Xinhua/jW)


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