Aus: Ausgabe vom 11.08.2018, Seite 1 / Ausland

Washington militarisiert den Weltraum

USA wollen neue Streitkräfte für Krieg im All aufstellen

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Michael Pence am 5. Oktober 2017 bei einer Ansprache vor dem Space Shuttle »Discovery« in Chantilly/Virginia

Die US-Administration will bis 2020 eine eigene Teilstreitkraft für die Verteidigung im Weltall einrichten. Vizepräsident Michael »Mike« Pence sagte am Donnerstag (Ortszeit) bei der Vorstellung der Pläne im Verteidigungsministerium, die Zeit sei reif für eine solche »Space Force«. Der Kongress müsse sich hinter den Plan stellen und rund acht Milliarden US-Dollar dafür bewilligen. Ohne die Zustimmung des Kongresses kann die Regierung die Weltraumtruppe nicht ins Leben rufen, die Präsident Donald Trump vor einigen Monaten angeregt hatte. »Es ist nicht genug, nur eine amerikanische Präsenz im Weltraum zu haben. Wir müssen amerikanische Dominanz im Weltraum haben. Und das werden wir«, erklärte Pence. »Frieden kommt nur durch Kraft. Im Bereich des Weltalls wird die United States Space Force in den nächsten Jahren diese Kraft sein.«

Kritiker monieren, die Schaffung einer sechsten Teilstreitkraft sei unnötig, zu teuer und könnte die Luftwaffe vor eine Zerreißprobe stellen. Bislang ist die US Air Force für die Sicherheit im Zusammenhang mit dem Weltraum zuständig. Washington argumentiert jedoch mit einer »zunehmenden Bedrohung im und aus dem All durch Russland und China«, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt. Der Weltraum werde immer mehr zu einem Kampfgebiet, so Verteidigungsminister James »Jim« Mattis.

Nach einem Vorschlag des Pentagon soll bis Ende 2018 ein gemeinsames Kampfkommando, das Weltraumkommando, eingerichtet werden. Bis dahin solle die Befehlsgewalt für Aktivitäten im Kosmos weiter bei der Luftwaffe liegen. Widerspruch zu den Plänen kommt aus den eigenen Reihen. Der republikanische Senator James Inhofe, Nummer zwei im Streitkräfteausschuss des US-Oberhauses, lehnt die Bildung einer weiteren Teilstreitkraft ab, auch wenn er wisse »dass der Präsident starke Gefühle hat«.

Die USA haben den Weltraumvertrag von 1967 ratifiziert, nach dem die Stationierung von Massenvernichtungswaffen im All verboten ist. Zudem dürfen Himmelskörper wie der Mond nur für friedliche Zwecke genutzt werden. (Reuters/dpa/Xinhua/jW)

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