Aus: Ausgabe vom 10.08.2018, Seite 16 / Sport

Mourinhos Mosermasche

Manchester Uniteds Trainer José Mourinho findet mal wieder alles grässlich. Ahnt er bereits seine Entlassung?

Von Rouven Ahl
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Ein Trauerspiel: Für José Mourinho waren es immer die anderen

Manchester. José Mourinho war in dieser Sommerpause mal wieder voll in seinem Element. Der Trainer von Manchester United ließ während der USA-Reise seines Teams im Juli keine Gelegenheit aus, um der Welt zu zeigen, wie genervt er ist. Einmal war es die nach seinem Geschmack sehr zurückhaltende Transferpolitik des Vereins (bislang nur zwei Neuzugänge), die ihm die Laune trübte, ein andermal monierte er die Qualität der Testspiele in den USA. Nach der dortigen Begegnung mit dem FC Liverpool sagte der 55jährige auf der anschließenden Pressekonferenz, er hätte für den Besuch dieser Partie kein Geld gezahlt.

Nebenbei warf er Stürmer Anthony Martial vor, nach der Geburt seines Kindes nicht sofort zur Mannschaft zurückgekehrt zu sein. Außerdem ließ Mourinho keine Möglichkeit verstreichen, sich darüber zu beschweren, dass ihm aufgrund des längeren Urlaubs der WM-Teilnehmer nicht der komplette Kader zur Verfügung steht. Heute startet United mit der Partie gegen Leicester City in die Saison.

Man ist mittlerweile daran gewöhnt, dass der Portugiese gerne den Eindruck vermittelt, er habe den schlimmsten Job der Welt. Manche sehen darin eine geniale Taktik: Mourinho würde die gesamte Aufmerksamkeit auf sich lenken, damit sich seine Spieler ganz auf den Fußball konzentrieren können. Ob das jedoch die ständigen Attacken auf Schiedsrichter und Trainerkollegen rechtfertigt, sei dahin gestellt. Zudem sorgt ein Chef, der ständig mit allem und jedem unzufrieden scheint, wohl nicht gerade für eine gute Arbeitsatmosphäre. Wie der Fall Martial zeigt, gibt es deswegen immer wieder Pro­bleme mit den Spielern.

Sein ewiges Granteln könnte aber auch als vorweggenommene Entschuldigung interpretiert werden. Denn niemand will mehr so recht daran glauben, dass United den Stadtrivalen und Titelverteidiger Manchester City ernsthaft herausfordern kann. Genau das erwartet man aber beim englischen Rekordmeister. Mourinhos Gemoser dient auch dazu, im Falle des Scheiterns behaupten zu können: »Ich habe es doch immer gesagt.«

Mourinho steht vor seiner dritten Saison bei United. Auch mit seinen bisherigen Klubs wie zuletzt Real Madrid und dem FC Chelsea zerstritt er sich in schöner Regelmäßigkeit im dritten Jahr. Bei beiden hinterließ er ein vergiftetes Klima. Das entsteht gerade auch bei Manchester United.


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