Aus: Ausgabe vom 10.08.2018, Seite 5 / Inland

Im Gefängnis verstorben

Axel Hilpert, früherer DDR-Funktionär und Hotelbetreiber verbüßte seit einem Monat eine Haftstrafe

Von Dieter Schubert
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Stolzer Besitzer: Hotelier Hilpert auf der Terrasse seines »Seaside Garden« im »Resort Schwielowsee«

Axel Hilpert ist tot. Der agile Geschäftsmann mit hochinteressanter DDR-Vergangenheit wurde nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag tot in seinem Bett in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Berlin-Hakenfelde aufgefunden. Er war dort seit gut einem Monat inhaftiert.

Hilpert gehörte zu jenen DDR-Funktionären, die schon – durchaus gewollt von der Führung – vor dem Zusammenbruch ihres Staates den Grundstein für eine kapitalistische Unternehmerkarriere gelegt hatten. Denn gelernt ist gelernt. Als früherer leitender Mitarbeiter des Bereichs Kommerzielle Koordinierung (KoKo) im Ministerium für Außenhandel der DDR (in Westmedien gern als »Devisenbeschaffer« bezeichnet) war er, soweit bekannt, besonders im Handelsgeschäft mit Antiquitäten tätig. Das war ein Job, der wenig Skrupel, aber exzellente Kenntnis des westlichen Marktes voraussetzte.

Die KoKo, geleitet vom legendenumwobenen DDR-Multifunktionsträger Alexander Schalck-Golodkowski (der offiziell Staatssekretär im Außenhandelsministerium war, parallel dazu als Abteilungsleiter und Mitglied des ZK der SED, Mitglied des Ministerrates und Hauptabteilungsleiter im Ministerium für Staatssicherheit geführt wurde), war eine irreguläre Einrichtung zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit im Handel mit dem Westen.

Schalck wie auch Hilpert und Genossen operierten dabei in einer rechtlichen Grauzone mit einem getarnten Apparat, dessen Mitarbeiter zwar einer formal strengen Kontrolle durch Partei und MfS unterlagen, der sie sich aber zumeist problemlos entziehen konnten. Das war politisch auch von höchster Stelle so gewollt, denn Schalck berichtete nicht etwa an Staatssicherheitsminister Mielke oder Außenhandelsminister Beil, sondern direkt dem Sekretär für Wirtschaftsfragen des ZK der SED, Günter Mittag.

Nach dem »Beitritt« der DDR zur BRD wurde Hilpert als Immobilienhändler und später Hotelier aktiv. Zum Stolperstein des ökonomischen Talents wurde ein Ferienresort am äußerst begehrten Schwielowsee in Brandenburg, das er mit dem ehemaligen Bild-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje betrieb. Im Jahr 2017 verurteilte das Landgericht Frankfurt an der Oder Hilpert wegen Subventionsbetrugs zu drei Jahren und neun Monaten Haft. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass er mit einem undurchsichtigen Firmenkonstrukt die Baukosten für das Resort künstlich in die Höhe getrieben hatte. Eine Revision wies der Bundesgerichtshof im April 2018 zurück. Daraufhin musste Hilpert am 2. Juli seine Haftstrafe in der offenen Vollzugsanstalt im Nordwesten Berlins antreten, in der er jetzt starb.

Ein Sprecher der Berliner Justizverwaltung erklärte am Donnerstag, dass ein 70jähriger Mann am Morgen tot in seinem Bett gefunden worden sei. Es werde davon ausgegangen, dass eine natürliche Todesursache vorliege. Gleichwohl sei – wie in solchen Fällen üblich – eine Obduktion angeordnet worden, um die genaue Todesursache zu ermitteln.

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