Aus: Ausgabe vom 07.08.2018, Seite 7 / Ausland

Hoffnung auf Frieden

Südsudan: Präsident Kiir und sein Kontrahent Machar unterzeichnen Friedensvertrag. Jubel in Hauptstadt Juba

Von Gerrit Hoekman
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Freude über Friedensschluss. Am Sonntag feierten Tausende Menschen auf den Straßen von Juba

Der südsudanesische Präsident Salva Kiir und der Chef der Aufständischen, Riek Machar, haben am Sonntag einen Vertrag unterzeichnet, der die Machtverteilung in dem afrikanischen Land in Zukunft regeln soll. Das Papier beinhaltet einen Waffenstillstand. Die beiden Kontrahenten haben nun drei Monate Zeit, eine gemeinsame Regierung zu bilden. Das berichtete am Montag unter anderem der arabische Sender Al-Dschasira.

»Dieses Abkommen drückt die Übereinkunft aller Parteien zu einem Waffenstillstand aus«, zitiert die britische BBC Al-Dirdiri Mohammed, den Außenminister des Sudan. In dessen Hauptstadt Karthum fand die Vertragsunterzeichnung statt, moderiert von Kenia, Uganda und Dschibuti, die mit ihren Staatschefs vertreten waren. Sudans Präsident Omar Al-Baschir war ebenfalls anwesend. »Wir bedauern zutiefst die ungezählten Leiden, denen unser Land und unser Volk ausgesetzt war«, heißt es in dem Vertrag. »Wir wollen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.«

Der Südsudan hat sich im Juli 2011 mit westlicher Hilfe vom nördlichen Nachbarn Sudan abgespalten und ist damit der aktuell jüngste Staat der Welt. Kiir und Machar hatten zunächst gemeinsam für die Unabhängigkeit gekämpft. Doch als die errungen war, begann der Machtkampf. 2013 beschuldigte Kiir seinen Stellvertreter Machar, einen Putsch vorzubereiten. Der anschließende Bürgerkrieg forderte bis heute Zehntausende Opfer, trieb Millionen in die Flucht.

»Der Krieg, den wir in den vergangenen fünf Jahren gekämpft haben, ist definitiv sinnlos«, sagte Salva Kiir laut Radio Miraya, dem Sender des UN-Einsatzes UNMISS im Südsudan. »Er hat unsere Wirtschaft zerstört und unser Volk entzweiter als je zuvor zurückgelassen.« Das Land, das reich an Erdöl ist, hat weltweit das niedrigste Bruttoinlandsprodukt. Die Kämpfe haben die Förderanlagen in Mitleidenschaft gezogen, die Ölproduktion kam zum Erliegen. Die Felder liegen brach, weil die Bauern geflohen sind.

Staatschef Kiir zeigte sich am Freitag optimistisch. »Dieses Abkommen wird nicht scheitern, denn das Volk des Südsudan hat nun akzeptiert, dass es unter sich Frieden schließen muss«, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Laut Radio Miraya bat Kiir die Vereinten Nationen, eine aktive Rolle im Friedensprozess zu spielen. Wie Al-Dschasira meldete, soll Machar wieder einer von fünf Stellvertretern des Präsidenten werden. Er hat also auf dem Papier nicht mehr erreicht, als er vor dem Bürgerkrieg hatte.

Ob ihm das auf Dauer reichen wird, muss sich zeigen. »Es ist ein großer Tag für das südsudanesische Volk. Es gibt keine bessere Wahl als den Frieden«, sagte Machar. Er möchte, dass der ostafrikanische Staatenbund IGAD den Weg zum Frieden überwacht: »Der Teufel liegt immer in der Umsetzung«, dämpfte Machar in einer Erklärung am Sonntag die hohen Erwartungen. Das Misstrauen auf beiden Seiten ist nach wie vor groß.

Der letzte Waffenstillstand Mitte 2015 hielt nicht einmal ein Jahr. Dann brachen in der Hauptstadt Juba erneut Kämpfe zwischen den Anhängern ­Kiirs und Machars aus. Die damalige Abmachung ähnelte übrigens der aktuellen. Machar floh nach dem Wiederaufflammen des Konflikts nach Südafrika und lenkte von dort seine Truppen. Mitte Juni reiste er nach Äthiopien, um dort seinen ehemaligen Weggefährten Kiir wieder die Hand zu schütteln.

Die Menschen in Juba trieb jedenfalls die gute Nachricht am Sonntag jubelnd auf die Straßen, wie im Internet veröffentlichte Fotos zeigen. Die Freude könnte allerdings verfrüht sein: Machar ist nicht der einzige Oppositionelle im Land. Die Volksdemokratische Bewegung (PDM), eine Graswurzelorganisation, lehnte das Abkommen am Montag ab, wie die Sudan Tribune berichtet. Sie fordert weiterhin den Rücktritt des »korrupten und inkompetenten« Kiir. Die Südsudanesische Oppositionsallianz (SSOA) hat den Waffenstillstand allerdings unterzeichnet.


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