Aus: Ausgabe vom 04.08.2018, Seite 2 / Ausland

Zum Sieger erklärt

Emmerson Mnangagwa bleibt Präsident Simbabwes

Von Simon Miller, Harare
RTX6CVZZ.jpg
Alter und neuer Präsident Simbabwes: Emmerson Mnangagwa

Es war bereits die Nacht zum Freitag, als die Zentrale Wahlkommission (ZEC) unter Leitung ihrer Chefin Priscilla Chigumba in Simbabwes Hauptstadt Harare die Verkündung der Ergebnisse für die Präsidentenwahl unterbrach. Ihren Angaben zufolge lagen die Resultate aus der letzten, der zehnten Provinz noch nicht vor. Alle warteten eine Stunde lang gespannt auf die Fortsetzung der Veranstaltung und die Bekanntgabe des Wahlsiegers. Da betraten zwei Männer das Podium. Einer gab sich als Sprecher der oppositionellen »Bewegung für demokratischen Wandel« (MDC) zu erkennen und behauptete, die bislang verkündeten Ergebnisse seien ein »Fake«, also gelogen. Das offizielle Resultat der Wahl sei nicht zu akzeptieren. Kurz darauf wurden beide von Sicherheitskräften abgeführt.

Wenige Minuten später erschien Chigumba mit ihren Mitstreitern, gab die fehlenden Resultate bekannt und erklärte Emmerson Dambudzo Mnangagwa zum Präsidenten der Republik. Der 75jährige hatte das Amt bereits seit dem Sturz Robert Mugabes im vergangenen November inne. Auf ihn entfielen den Angaben der ZEC zufolge 2,46 Millionen Stimmen. Das waren 50,8 Prozent, gerade ausreichend, um einer Stichwahl am 8. September zu entgehen. Oppositionsführer Nelson Chamisa unterlag relativ knapp: 2,15 Millionen Wähler votierten für ihn, also 44,3 Prozent. Die seit über 38 Jahren regierende Partei ZANU-PF bleibt damit uneingeschränkt an der Macht. Sie hat auch die simultan durchgeführten Parlamentswahlen gewonnen. Allerdings waren nur 5,6 der 17 Millionen Simbabwer wahlberechtigt.

Der 40 Jahre alte Rechtsanwalt und Prediger Chamisa hat das offizielle Ergebnis am Freitag morgen angefochten: »Die ZEC verweigerte unserem Wahlagenten die Einsicht in die Ergebnisse, ehe diese bekanntgegeben wurden. Die ZEC muss ordentliche, verifizierte und von den Parteien genehmigte Resultate herausgeben. Der Grad der Verschleierung, des Mangels an Wahrheit, des moralischen Verfalls und Defizits an Werten ist verwirrend.« Ob die MDC vor Gericht geht, blieb zunächst offen.

Der alte und neue Präsident zeigte sich hingegen dankbar für das ihm ausgesprochene Vertrauen der Wähler. »Obwohl wir bei den Wahlen getrennt gewesen sein mögen, sind wir in unseren Träumen vereint. Das ist ein neuer Anfang. Reichen wir uns in Frieden, Einheit und Liebe die Hände und bauen gemeinsam für alle ein neues Simbabwe!«

Das junge Welt-Sommerabo

Lesen Sie drei Monate die gedruckte Ausgabe der Tageszeitung junge Welt! Das Abo kostet 62 Euro statt 115,20 Euro und endet automatisch, muss also nicht abbestellt werden. Dazu erhalten Sie das Buch »Marx to go« aus dem Verlag Neues Leben. Dieses Angebot ist nur bestellbar bis 24. September 2018.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Ausland
  • Venezuelas Präsident überlebt Attentat mit Sprengstoffdrohnen. Angespannte Ruhe in Caracas
    Modaira Rubio, Caracas
  • Nach zehn Jahren Ausplünderung ist Griechenland ruiniert. Aufschwung ist nicht in Sicht
    Hansgeorg Hermann, Vamos (Kreta)
  • Streit um Justizreform: Polens oberste Richter schalten EU-Gerichtshof ein
    Reinhard Lauterbach, Poznan
  • Opposition in Nicaragua verliert an Mobilisierungsfähigkeit. Internationaler Druck auf Regierung wächst
    Giorgio Trucchi, Managua
  • Nach Kritik an Afrin-Krieg: Türkische Regierung lässt linke Zeitung auf Nordzypern verfolgen
    Nick Brauns