Aus: Ausgabe vom 03.08.2018, Seite 2 / Ausland

Schüsse und Steine nach der Wahl

In Simbabwe sterben drei Menschen bei Protesten der Opposition

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Soldaten prügeln am Mittwoch in Harare auf einen Demonstranten ein

In Simbabwe sind am Mittwoch abend bei Protesten von Oppositionsanhängern mindestens drei Menschen getötet worden. Nach Polizeiangaben kamen sie bei »Unruhen und Tumulten« im Zentrum der Hauptstadt Harare ums Leben. Zuvor hatte die Wahlkommission Teilergebnisse der Parlamentswahl vom vergangenen Montag veröffentlicht, nach denen die Regierungspartei ZANU-PF die absolute Mehrheit der Sitze errungen hat. Hunderte Demonstranten in Harare protestierten daraufhin gegen angebliche Manipulationen. In den Straßen um den Sitz der Wahlkommission zogen Panzer und Truppenfahrzeuge der Armee auf, Einsatzkräfte sperrten den Sitz der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) von Oppositionsführer Nelson Chamisa ab. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, die Demonstranten schleuderten Steine. Die MDC verurteilte das Vorgehen der Armee. Für die Schüsse und den Einsatz von Panzern habe es »keinen ersichtlichen Grund« gegeben, sagte ein Sprecher.

Am Donnerstag patrouillierten Soldaten in den Straßen von Harare, auf denen noch die Reste der Auseinandersetzungen vom Vortag lagen. Viele Geschäfte waren geschlossen. Simbabwes Präsident Emmerson Mnangagwa forderte eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle.

Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am Montag waren die ersten Abstimmungen, nachdem Langzeitpräsident Robert Mugabe im November 2017 durch einen Militärputsch gestürzt worden war. Nach Angaben der Wahlkommission konnte die ZANU-PF dabei mindestens 144 Sitze im Abgeordnetenhaus erringen, die MDC sei auf 61 Sitze gekommen. Die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl sollten einer Meldung der Nachrichtenagentur AP zufolge am späten Donnerstag abend bekanntgegeben werden.

Wahlbeobachter der EU erklärten, die Wahl am Montag sei frei und ohne Gewalt abgelaufen, aber sie sei nicht fair gewesen. Der Missbrauch staatlicher Ressourcen, die Einschüchterung von Wählern und die parteiische Berichterstattung der staatlichen Medien zugunsten der Regierung und Präsident Mnangagwa hätten wahre Chancengleichheit verhindert, so der Leiter der EU-Wahlbeobachter, Elmar Brok, am Mittwoch. China lobte die Abstimmung dagegen als »ordentlich« und rief die Simbabwer auf, Ruhe und Frieden zu bewahren.

(AFP/dpa/Xinhua/Reuters/jW)

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