Aus: Ausgabe vom 31.07.2018, Seite 16 / Sport

Endlich Qualität nach WM-Einerlei

Von Gabriele Damtew
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Claus-Dieter »Pele« Wollitz: Der Cottbus-Coach setzt fast ausnahmslos auf seine Recken aus der Regionalliga

In der 3. Liga rollt der Ball! Endlich wieder kompromissloser Fußball. Nach dem WM-Einerlei, das die Nationalmannschaft herunterspielte, sehnten sich viele Anhänger von Vereinen aus den unteren Gefilden einen Qualitätsunterschied herbei. Das mag paradox klingen – zu Unrecht. Denn die Liga steht für Einsatz, Kampf, Laufbereitschaft und, mit etwas Glück, auch für überraschend geniale Momente, die uns Fußballaffinen ein Leuchten in die Augen zaubern.

Mit der neuen Attraktivität werben die Verantwortlichen der Deutschen Fußballiga GmbH (DFL) und auch die Vereine selbst. Es geht ihnen nicht nur um sportliche Anerkennung, sondern um höhere Einnahmen aus Fernsehübertragungen, Sponsoring und Merchandising. Mit den Zweitligaabsteigern aus Kaiserslautern und Braunschweig, dem oft unterschätzten Ost-Aufsteiger Cottbus sowie den flippigen Münchner Löwen wächst proportional zu deren Fangemeinden auch ihre wirtschaftliche Anziehungskraft. Wie schon vor einigen Jahren die Löwen, konnte auch Aufsteiger Uerdingen einen Investor an Land ziehen; still sind die im Fußballgeschäft eher selten.

Zum Saisonstart war das Treibhauswetter der größte Feind der drittklassigen Spielkultur. Am besten lieferte Preußen Münster auswärts gegen Fortuna Köln ab (4:1) – und das ohne den an 1860 München verkauften Torjäger Adriano Grimaldi. Der blieb auf dem mit über 41.000 Zuschauern ausverkauften Betzenberg blass gegen überraschend verunsicherte Lauterer mit komplett neuem Kader. Erst kurz vorm Gang in die Duschen setzte sich der eingewechselte Timmy Thiele (Ex-Jena) im Strafraum kraftvoll durch und bediente von der Torlinie im Rücken der Abwehr Janek Sternberg (1:0). Jena wiederum setzte sich auch ohne Thiele gegen die nie zu unterschätzende Andrea-Berg-Mannschaft von der SG Sonnenhof Großaspach in den letzten Sekunden mit 3:2 durch, eine bei der Hitze unfassbare Konditionsleistung.

Das brisante Ostderby zwischen Zwickau und Halle gewann souverän die Heimmannschaft (2:0); Man of the Match: Mike Könnecke. Der langjährige, junge Ex-Zwickau-Coach Torsten Ziegner, inzwischen im Dienst von Halle, hatte seiner ehemaligen Mannschaft im Vorfeld des Spieles nicht weniger als den Abstieg vorhergesagt.

Am Sonntag gab es noch mehr Überraschungen. Der »gepimpte« KFC Uerdingen (früher Mannschaft des Bayer-Konzerns) unterlag »auswärts« in Duisburg (Stadion in Krefeld wird renoviert) den Bayern aus Unterhaching (1:3). Es war die erste Niederlage unter Trainer Stefan Krämer seit der letzten Saison. Weltmeister Kevin Großkreutz wurde ausgewechselt. Er muss sich wohl erst noch an das Kampfspiel der Unterklassen gewöhnen, wie sein Trainer bereits geunkt hatte.

Perfekter Saisonstart dagegen für Cottbus. Coach »Pele« Wollitz setzt fast ausnahmslos auf seine Recken aus der Regionalliga, die sich nach einer herausragenden Saison die 3. Liga über die Relegation erkämpften. Gegen die unter Pavel Dotschev hochgehandelte Elf aus Rostock erspielte sich der Aufsteiger ein souveränes 3:0 im Stadion der Freundschaft.

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