Aus: Ausgabe vom 24.07.2018, Seite 16 / Sport

Quarantäne bei den »Löwen«

Von Marek Lantz
Hasan_Ismaik_56838568.jpg
Topgarant für boulevardeskes Remmidemmi: Investor Hasan Ismaik vom TSV 1860 München

Drei Tage dauert es noch, dann nimmt mit der institutionalisierten Drittklassigkeit wieder der Profifußball den Betrieb auf. Zweitligaabsteiger Eintracht Braunschweig und der Nichtaufsteiger Karlsruher SC, also zwei Mitfavoriten, bestreiten am Freitag das Saisoneröffnungsspiel. Ungleich mehr im Blickpunkt steht jedoch tags darauf das Aufeinandertreffen der beiden Topgaranten für boulevardeskes Remmidemmi in der bevorstehenden Runde: 1. FC Kaiserslautern gegen TSV 1860 München heißt es am Sonnabend. Über 30.000 Karten ist der erstmals in drittklassige Gefilde abgestürzte FCK bereits im Vorfeld losgeworden. Gegner 1860, nach der Insolvenz trotz allerhand derbem Bohei im Umfeld umgehend wieder aus der Regionalliga aufgestiegen, hat schon mal eine »Löweninvasion« angekündigt.

Sportlich wirken die von ihrem früheren Bundesligaspieler Daniel Bie­rofka trainierten Sechziger durchaus gerüstet. Im letzten Test schlug man am Wochenende immerhin Zweitligist SV Sandhausen mit 2:1. Und auch die heillos Zerstrittenen konnten sich am Sonntag noch einmal erschöpfend austoben. Schon um zehn Uhr früh begann die Mitgliederversammlung des Vereins, um einen neuen Verwaltungsrat zu wählen, und tagte erwartungsgemäß bis in den späten Abend.

Die Ausgangslage: Nach wie vor scheiden sich an Investor Hasan Ismaik die Geister. Trotz der Insolvenz nach dem Zweitligaabstieg im vergangenen Sommer, als man binnen zwölf Monaten 21,9 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet hatte, gelang es den Sechzigern bis heute nicht, den ungeliebten Finanzier loszuwerden, denn der hält Anteile an dem wie üblich in diverse finanziell verschachtelte Untereinheiten gegliederte Großklub. Zwar amtiert mit Robert Reisinger inzwischen ein Ismaik-kritischer Präsident, doch der Mann mit dem prallen Scheckbuch hat nach wie vor seine Fürsprecher, schließlich stellt er immer mal wieder neue Finanzspritzen in Aussicht. Reisinger zieht mit der Mitgliedergruppierung »Pro 1860« an einem Strang, die Ismaik mittlerweile in eine Art Quarantäne genommen haben: Er ist zwar nach wie vor im Verein und in den nicht enden wollenden Debatten präsent, aber ohne Zugang zu Ämtern und Entscheidungen.

Zu den Ismaik-Unterstützern gehört Helmut Kirmaier, der sich am Sonntag als Vertreter der Gruppierung »Team Profifußball« für den Verwaltungsrat bewarb. Schon im Vorfeld hatte Kirmaier, der früher als Schauspieler in Filmen des Münchner Regisseurs Klaus Lemke mitwirkte und gerne mit seiner Vergangenheit als Pornodarsteller kokettiert, viel Staub aufgewirbelt. Den Vertrag mit dem aktuellen Hauptsponsor »Die Bayerische«, einer Versicherung, hatte er publik gemacht. Diesem zufolge erhalten die Löwen höhere Zuwendungen, wenn sie in einer tieferen Liga spielen – ein absurdes Vertragswerk, das im Sportsponsoring einzigartig sein dürfte.

Kirmaiers Bemühungen, den Kurs der aktuellen Vereinsführung zu diskreditieren, zahlten sich jedoch nicht aus. Wie alle Vertreter vom »Team Profifußball« fiel er bei der Wahl durch, womit Ismaik vorerst weiterhin in Quarantäne bleibt.

Das junge Welt-Sommerabo

Lesen Sie drei Monate die gedruckte Ausgabe der Tageszeitung junge Welt! Das Abo kostet 62 Euro statt 115,20 Euro und endet automatisch, muss also nicht abbestellt werden. Dazu erhalten Sie das Buch »Marx to go« aus dem Verlag Neues Leben. Dieses Angebot ist nur bestellbar bis 24. September 2018.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • David Korb: 1860 nicht pleite Marek Lantz berichtet von einer Insolvenz des Vereins TSV 1860 München. In der ersten Spalte heißt es: »Gegner 1860, nach der Insolvenz trotz allerhand derbem Bohei ...« Tatsächlich war der Verein nic...
Mehr aus: Sport
  • Mesut Özil ist aus der Fußballnationalmannschaft zurückgetreten
  • Dopingskandal um Chris Froome beherrscht Tour de France. Wie würde das Publikum in Paris auf einen erneuten Sieg reagieren?
    Janusz Berthold