Aus: Ausgabe vom 24.07.2018, Seite 5 / Inland

Operation Übernahme geglückt

Französischer Autobauer PSA hat vom Zusammenschluss mit Opel profitiert

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Adieu: PSA-Chef Carlos Tavares winkt zum Abschied. Opel-Boss Michael Lohscheller nimmt es hin (Rüsselsheim, 9.11.2017)

PSA wird am heutigen Dienstag die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2018 in Paris vorlegen. Das Kfz-Unternehmen Opel, das vor einem Jahr vom französischen Konkurrenten übernommen wurde, wird nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer seine Eigenständigkeit weitgehend verlieren.

PSA scheine ausschließlich am historischen Opel-Kundenstamm interessiert zu sein, schrieb der Direktor des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen am Montag. Der Opel-Betriebsrat könne diesen Prozess nicht stoppen. Dudenhöffer sieht Opel als vergleichsweise schwache Marke, die in den vergangenen Jahren in Europa beständig Marktanteile verloren habe: »Opel leidet an Kundenschwund«, erklärte er. Verkäufe seien zudem mit einem überdurchschnittlichen Anteil sogenannter Eigenzulassungen erreicht worden. Solche sind bei Autobauern beliebt. Ist ein Neuwagen einmal zugelassen, taucht er in der offiziellen Statistik des Kraftfahrtbundesamtes auf und treibt die Marktanteile nach oben – dabei ist völlig egal, ob das Auto verkauft oder von einem Händler zugelassen wurde. Kurze Zeit später landet der Wagen dann mit einem hohen Abschlag auf den Listenpreis als sogenannte Tageszulassung auf dem Gebrauchtwagenmarkt.

Das Kalkül von PSA-Chef Carlos Tavares scheine zu lauten, Opel als PSA-Hülle aufzustellen, schrieb Dudenhöffer. Das Unternehmen hat bereits angekündigt, bis 2024 alle Opel-Modelle auf PSA-Plattformen zu stellen. Erste nahezu baugleiche Schwestermodelle gibt es bereits. Das Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim soll im Konzernverbund arbeiten und für die Opel-Wagen verantwortlich zeichnen, wobei allerdings nicht klar ist, ob nicht noch ein wesentlicher Teil des Zentrums an einen Dienstleister verkauft wird. Für PSA könnten sich nach Dudenhöffers Einschätzung auch hohe Abfindungen für entlassene Ingenieure rechnen, wenn es bei Opel gelinge, wie bei PSA pro Fahrzeug 800 Euro Gewinn zu machen.

Dass in Rüsselsheim nicht mehr langfristig geplant wird, sieht man auch daran, dass die Ausbildungen bei Opel stark zurückgefahren werden. Weniger als halb so viele Lehrlinge wie zuletzt sollen in diesem Jahr etwa am Standort in Rüsselsheim anfangen, bestätigte das Unternehmen gegenüber der in Mainz erscheinenden Allgemeinen Zeitung am Montag.

PSA hat hingegen weitere Expansionspläne. Sollten die USA Strafzölle auf Autos aus der Europäischen Union erheben, ziehen die Franzosen einen Markteinstieg in Kanada in Betracht. »Die Zölle hätten einen Einfluss darauf, wie schnell und zu welchem Preis wir auf den US-Markt zurückkehren«, hatte PSA-Nordamerika-Chef Larry Dominique am vergangenen Dienstag in Detroit gesagt. Er verwies zugleich darauf, dass Kanada im Rahmen eines neuen Handelsabkommens keine Zölle auf Autos aus europäischer Herstellung erheben wolle. Die Opel-Mutter PSA könne damit Kanada den USA für eine Rückkehr nach Nordamerika vorziehen. PSA mit den Marken Peugeot, Citroën und Opel hatte bislang eine Rückkehr in die USA bis 2026 geplant. Der Hersteller hatte den US-Markt 1991 verlassen. (dpa/jW)

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