Aus: Ausgabe vom 13.07.2018, Seite 7 / Ausland

Umkämpfter Golan

Israel weitet Angriffe auf syrisches Militär aus. Machtprobe im Grenzgebiet

Von Karin Leukefeld
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Start einer israelischen Abfangrakete im November 2012 nahe der Stadt Beerscheba

Die israelische Luftwaffe hat über den von Israel besetzten syrischen Golanhöhen unweit des Sees Genezareth eine unbewaffnete Drohne mit einer »Patriot«-Rakete abgeschossen. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben der israelischen Streitkräfte am Mittwoch. Der unbemannte Flugkörper sei aus jordanischer Richtung gekommen und etwa zehn Kilometer weit in den Luftraum über den Golanhöhen hineingeflogen, teilten die israelischen Streitkräfte mit. Man habe sich vergewissert, dass es sich um ein syrisches Flugobjekt handelte und es weder Jordanien, den USA oder Russland zuzuordnen war. Die Drohne sei nicht bewaffnet gewesen.

Seit Beginn des Krieges 2011 unterstützt Israel die bewaffnete Opposition in Syrien, die 2012 gewaltsam in die entmilitarisierte Pufferzone auf den Golanhöhen eingedrungen ist. Ziel war, das Gebiet, das von der jordanischen Grenze im Süden bis zur Grenze des Libanon im Norden reicht und seit 1974 von einer UN-Friedensmission kontrolliert wird, von Syrien abzuschneiden.

Die aktuelle Offensive der syrischen Armee und ihrer Verbündeten im Südwesten des Landes hat die oppositionellen Kampfverbände, die neben Israel unter anderem auch Saudi-Arabien zu ihren Verbündeten zählen, in die Enge getrieben. Heftige Kämpfe gibt es seit Tagen entlang der UN-kontrollierten Pufferzone und bei der Provinzhauptstadt Kuneitra.

Seit der Nacht auf Mittwoch greifen israelische Panzer- und Artillerieverbände dort syrische Armeestellungen an. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begründete die »machtvollen« Angriffe mit einem vorherigen Anschlag auf eine israelische Militärpatrouille an der Grenze der UN-Pufferzone. Dabei sollen vier israelische Soldaten verletzt worden sein. Der stellvertretende israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon machte »das Assad-Regime« für den Anschlag auf die Patrouille und für alles, »was in diesem Gebiet passiert«, verantwortlich. Syrien werde »einen hohen Preis zahlen und seine Handlungen« bereuen.

Bereits am Freitag vergangener Woche hatte Israel die libanesische Hisbollah für einen anderen Anschlag auf eine israelische Patrouille verantwortlich gemacht und als Vergeltung deren Stellungen im Südlibanon bombardiert. Wenig später bekannte sich allerdings die Dschihadistenmiliz »Islamischer Staat« zu dem Anschlag.

In der Nacht zu Donnerstag wurden die israelischen Angriffe auf Kuneitra fortgesetzt. Diesmal bezeichnete ein israelischer Armeesprecher die Angriffe als »Vergeltungsmaßnahme für das Eindringen der syrischen Drohne« nach Israel. Die syrische Armee warf Israel vor, erneut die terroristischen Kampfverbände auf den Golanhöhen zu unterstützen. Diese Kämpfer würden von der syrischen Armee aktuell erfolgreich aus dem Südwesten des Landes vertrieben und suchten bei Israel Schutz.

Es ist nicht das erste Mal, dass mit einer »Patriot«-Rakete eine Drohne abgeschossen wurde. US-General David Perkins berichtete bereits 2017 in einem Vortrag über Strategien der Luftabwehr, dass ein »sehr enger Verbündeter« der USA mit einer solchen einen billigen Quadcopter abgeschossen habe. »Sie haben sie erwischt«, sagte Perkins laut der Fachzeitschrift Computer und Technik vom 16. März 2017. Aus ökonomischer Sicht habe die Drohne dennoch gewonnen, so der Viersternegeneral: Eine »Patriot« koste etwa drei Millionen US-Dollar, während man einen veritablen Quadcopter für 200 bis 300 Dollar kaufen könne. »Wenn ich der Feind wäre, würde ich denken: Hey, ich besorge mir auf Ebay so viele dieser 300-Dollar-Quadcopter wie möglich und vernichte damit alle ›Patriot‹-Raketen da draußen«, so Perkins.

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