Aus: Ausgabe vom 06.07.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

TTIP für die Autoindustrie

Nach Treffen von Managern mit US-Botschafter: Kanzlerin erwägt Zollfreiheit für Pkw-Branche

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Schlagerduett: Merkel und Zetsche singen die alte Leier vom deutschen Exportwunder

Transatlantische Einigkeit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat im Handelsstreit mit den USA Bereitschaft signalisiert, über Zollsenkungen zu verhandeln. Es brauche eine gemeinsame europäische Position zur Verhandlung von Zöllen etwa im Automobilbereich, sagte Merkel am Donnerstag in Berlin.

Sie ergriff die Gelegenheit, weitere Befreiungen von Einfuhrabgaben auf deutsche Waren in Aussicht zu stellen: »Und dann bedeuten die Zollverhandlungen zur Senkung von Zöllen, wozu ich bereit wäre, dass wir das nicht nur mit den Vereinigten Staaten von Amerika machen können.« Um nicht gegen Regeln der Welthandelsorganisation WTO zu verstoßen, müsse das mit allen Ländern geschehen, mit denen Europa Automobilhandel betreibe.

Grund für Merkels Äußerung dürfte das Treffen von den Vorständen der größten deutschen Autokonzerne mit US-Botschafter Richard Grenell gewesen sein, das am Mittwoch abend in Berlin stattgefunden hatte. Der Einladung Grenells waren Herbert Diess (VW), Dieter Zetsche (Daimler), Harald Krüger (BMW) und Elmar Degenhart (Continental) sowie der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, gefolgt. Grenell soll gesagt haben, er habe aus Washington die Anweisung erhalten, eine Lösung des Handelskonflikts mit Deutschland und der EU zu suchen, berichtete das Handelsblatt am Donnerstag. Ein erstes Treffen habe es bereits am 6. Juni am Rande einer Vorstandsitzung des Verbands der Automobilwirtschaft gegeben. Deutsche Hersteller hatten im vergangenen Jahr Autos im Wert von 20 Milliarden Dollar in die USA ausgeführt. Die Manager hätten am Mittwoch deutlich gemacht, dass sie sich auch einen Abbau der hohen europäischen Zölle auf Fahrzeuge aus den USA vorstellen könnten. Diese EU-Zölle treffen auch deutsche Fabrikate, die in den USA gebaut und nach Europa importiert werden.

US-Präsident Donald Trump hat der EU mit 20 Prozent Importzoll auf Autos und Autoteile gedroht. Im Fall von US-Schutzzöllen auf Autos drohte die EU wiederum mit Gegenmaßnahmen. Diese könnten US-Produkte im Wert von 294 Milliarden Dollar (253 Milliarden Euro) treffen, hatte die EU-Kommission am Montag gewarnt. Das wären 19 Prozent aller US-Exporte im Jahr 2017.

Bei all der Einigkeit zwischen Berlin und Washington freuten sich die Spekulanten. Die Aktien von BMW, Daimler und Volkswagen belegten mit Kursgewinnen zwischen dreieinhalb und fünf Prozent die vorderen Plätze im Dax. Die Papiere des Zulieferers und Reifenherstellers Continental verteuerten sich um gut drei Prozent. Im MDax ging es für die Titel der Conti-Konkurrenten Leoni, Dürr und Hella deutlich bergauf. Gleiches galt für die Aktien des stark von der Autobranche abhängigen Beleuchtungsspezialisten Osram sowie des Zulieferers und Rüstungskonzerns Rheinmetall. (dpa/AFP/jW)

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