Aus: Ausgabe vom 23.06.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Nachteil Exportstärke

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise
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Container in Bremerhaven: Deutschlands Exportstrategie wird zur Achillesferse im globalen Handelskrieg

Wenn die bösen Amis und Chinesen streiten, leiden die armen Deutschen. Ihre Konzerne sind superstark im Export und deshalb auch anfällig, wenn Freihandel und Globalisierung beschränkt werden. Für diese Ungerechtigkeit lieferte die Firma Daimler ein gutes Beispiel: Weil Donald Trump 50 Milliarden Dollar an Importgütern aus China mit Zöllen belegen lässt, haben die zurückgeschlagen und ihrerseits Zölle auf Importwaren aus den USA (ebenfalls im Wert von 50 Milliarden Dollar) verhängt. Darunter sind auch Autoimporte. Betroffen, so berichtet unsere so tüchtige Firma Daimler, seien auch SUVs (das sind jene fetten, sehr teuren und mit besonders starken und »durstigen« Motoren ausgestatteten Fahrzeuge), welche vom Daimler-Werk im gewerkschaftsfreien US-Staat Alabama hergestellt werden. Ein Grund mehr für eine »Gewinnwarnung« (was bedeutet, dass der Jahresgewinn am Ende nicht mehr ganz so großartig ausfällt, wie den Aktionären versprochen), die wiederum den Aktienkurs ein wenig unter Druck brachte.

Nicht nur die Börsenkurse leiden. Auch das Geschäftsklima wird schlechter. Der »ifo«-Index des gleichnamigen Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts zeigt schon im vierten Monat schwindendes Vertrauen in die Geschäftsaussichten. Die Manager werden dabei befragt, wie sie die aktuelle Lage einschätzen. Der zu Jahresanfang beachtliche Optimismus ist verschwunden. Das Sonderbare ist dabei, dass auch die tatsächlichen Produktions- und Verkaufszahlen im 1. Quartal viel schlechter ausfielen als erwartet. In den ersten Monaten waren die Aussichten für den internationalen Handel noch nicht ganz so düster wie jetzt. Im Gegenteil, der erratische US-Präsident wandelte eine drohende Einfuhrabgabe für die US-Unternehmen in eine Prämie in Gestalt erlassener Steuern, wenn sie ihre satten Gewinne, die sie in Übersee erzielen, in die Heimat transferieren.

Umso herber die Enttäuschung seitdem. Das führende Land im Kapitalismus geht auf Protektionismuskurs: Sanktionen und Aussperrung gegen alle Firmen, die Geschäfte mit dem Iran machen. Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium. Dann die besagten Zölle gegen China. Es ist schwer, genau zu kalkulieren, wie sich diese Maßnahmen auswirken werden. Zumal die US-Regierung notorisch einen schwankenden Kurs verfolgt. Man kann aber, ohne voreilig zu sein, ziemlich sicher davon ausgehen, dass die deutsche Volkswirtschaft von dieser Begrenzung des Welthandels mit am stärksten betroffen sein wird. Unter allen größeren Volkswirtschaften ist die BRD am stärksten vom Außenhandel abhängig – durch seinen hohen Anteil von 48 Prozent an der gesamten Wirtschaftsleistung. Dies ist das Resultat der Strategie der Großunternehmen und der seit Jahrzehnten betriebenen Wirtschaftspolitik des Landes. Ein Einbruch beim Export hätte deshalb dramatische Folgen, die alle ausbaden müssen. Die Wirtschaftsforschungsinstitute nehmen ihre Konjunkturprognosen bereits deutlich zurück. Eine Rezession ist nicht unwahrscheinlich.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Frankfurt am Main

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