Aus: Ausgabe vom 14.06.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Akku leer beim Milliardär

Elon Musk, Chef des Elektroautobauers Tesla, schmeißt Tausende Beschäftigte raus

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Schlechte Aussichten. Elon Musks Geschäfte laufen nicht so wie geplant

Der Hersteller hochpreisiger Elektroautos, Tesla, will Tausende Stellen streichen. Über Twitter teilte der Vorstandsvorsitzende Elon Musk mit, die Angestellten am Dienstag in einer E-Mail darüber informiert zu haben, dass fast jeder zehnte Job wegfalle. Damit will Musk die Kosten drücken und Gewinne steigern. Die betroffenen Mitarbeiter würden in den nächsten Tagen informiert. Die Zahl der Beschäftigten sinke dadurch auf rund 37.000. Die Produktionsziele des Hoffnungsträgers Model 3 seien durch den Kahlschlag in den nächsten Monaten nicht gefährdet, betonte der Milliardär. Bis Ende Juni soll die Fertigung des neuen, günstigeren Wagens auf 5.000 Fahrzeuge pro Woche steigen. Das neue Model soll den Durchbruch auf dem Massenmarkt schaffen.

Der Stellenabbau sei Teil der Neuaufstellung, die Musk vergangenen Monat angekündigt hatte. Der Elektroautoproduzent müsse beweisen, profitabel arbeiten zu können, räumte Musk in seiner Mitteilung an die Angestellten ein. Sonst könne der Wandel hin zu sauberen Energieformen nicht beschleunigt werden. Tesla ist rasant gewachsen, hat aber mit Verlusten, verfehlten Produktionszielen und der Abwanderung von Führungskräften zu kämpfen. Juristische Auseinandersetzungen gab es zuletzt wegen tödlich verunglückten Fahrern. Derzeit werden in den USA mehrere Unfälle untersucht, bei denen Teslas mit eingeschaltetem Autopilotsystem auf Hindernisse wie stehende Fahrzeuge sowie einen Betonpoller auf der Autobahn auffuhren. Erst vor wenigen Tagen erklärten Unfallermittler der US-Behörde NTSB im vorläufigen Bericht zu einem tödlichen Crash im März in Kalifornien, der Autopilot habe einen Tesla Model X in Richtung des Betonpollers auf der Autobahn beschleunigt. Auf der Hauptversammlung hatten die Aktionäre ungeachtet der wachsenden Kritik aber zuletzt dem umtriebigen Unternehmenschef den Rücken gestärkt.

Die Zukunft hängt nun vom Erfolg des Model 3 ab, das mit einem Basispreis ab 35.000 Dollar (rund 29.000 Euro) mehr Käufer locken soll. Musk hat für das zweite Halbjahr einen Gewinn in Aussicht gestellt. Finanzhaie frohlockten: Tesla-Aktien legten am Dienstag rund sieben Prozent zu und notierten im Handelsverlauf noch 3,5 Prozent höher. Anfang April hatten die Anteilsscheine mehr als ein Drittel im Vergleich zu den im September erreichten Höchstständen eingebüßt. Die Aussicht auf das Erreichen der Produktionsziele bei dem neuen Model sorgte aber in den vergangenen Wochen für Rückenwind. (Reuters/dpa/jW)

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